Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1912)
- Article
- Reichtum und Geisteskraft im deutschen Judentum
- Date
- 1912-07-01
- Page
- 328 (sequence 12)
- Language
- German
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128 Im deutschen Reich. einzigen Kinder muß es im Leben am Wichtigsten fehlen, am Geiste der Unterordnung, an der Autorität vor dem Aeberkommenen, an dem Willen und dem Ansporn etwas zu leisten, an dem Bewußtsein, aus eigener Kraft sich Stellung und Bedeutung erringen zu müssen! Wenn so viele jüdische Kinder von heute sich ständig im Mittelpunkt der Sorgen und Bemühungen ihrer ganzen Umgebung sehen, so muß in ihnen der Glaube gezüchtet werden, daß, sie schon mit der Tatsache ihres Daseins große und wichtige Werke vollbracht haben. Und selbst bei demjenigen Teil der jüdischen Jugend, der. über eine größere Begabung und hervorragendere geistige Kraft verfügt, würde sie — fast möchte man sagen systematisch — im Wohlleben erstickt werden. Manche Intelligenzen, die in schlichteren Verhältnissen zu bedeutenden, schöpferischen Menschen mit bleibenden Verdiensten um Wissenschaft und Kultur geworden wären, marschieren heute oft genug den Weg der breiten, philiströsen Mittelmäßigkeit, weil die Antriebe zur richtigen Entwicklung ihrer Fähigkeiten fehlen. Es ist ja klar, daß die in der heutigen Zeit, dem „Jahrhundert des Kindes", liegenden allgemeinen Tendenzen, die an sich nicht ungesunde Bestrebung, der Individualität der jugendlichen Seelen Rechnung zu tragen, mit am Werke gewesen sind; nur hat man bei der Erziehung manches jüdischen Kindes den bestimmten Eindruck, daß! Eigensinn, Faulheit, Ungezogenheit und ähnliches mit Individualität verwechselt und demgemäß, behandelt werden, so daß. als Produkt kleine Egoisten herauskommen, denen jede Aufopferungsfähigkeit, jeder Idealismus einfach fehlt, denen der Lebenskampf, sofern sie nicht von dem Erbe der Eltern zehren können, erhebliche Schwierigkeiten bereiten muß. Daß diese Erziehungsmethoden — von Grundsätzen kann man dabei kaum reden — auch am meisten für den Abfall verantwortlich zu machen sind, sei nur nebenher vermerkt. Nicht nur auf dem Wege theoretischer Ableitung läßt sich zeigen, daß die geistige Entwicklung des Heranwachsenden jungen Geschlechts keine aufsteigende ist. Eine eingehendere Beschäftigung mit dem jüdischen Schülermaterial unserer höheren Lehranstalten beweist gleichfalls die Richtigkeit der behaupteten Tatsachen. Infolge des gesteigerten Wohlstandes hat sich zwar die Zahl der jüdischen Schüler stark vermehrt. Aber schon das ist nicht erfreulich; denn die Entscheidung, ob Kinder der höheren Bildung und schließlich sogar dem Studium zugesührt werden, hängt nlchr mehr von der Begabung, sondern von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern ab, woraus sich eine starke relative Verschlechterung ergibt. Ferner hat aber auch positiv, was jeder Lehrer bestätigen wird, die Durchschnittsbefähigung abgenommen; die Anzahl der ausgezeichneten jüdi-