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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 322

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Reichtum und Geisteskraft im deutschen Judentum
Date
1912-07-01
Page
322 (sequence 6)
Language
German
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322 Zm deutschen Reich. Begabung für die Jurisprudenz als Wissenschaft wird reden können. Richt aus der Raffe, sondern aus den historischen Verhältnissen, also aus weit einfacheren Quellen stammt die geistige Bedeutung des deutschen Judentums, und wenn dieselbe Höhe sich bei so großen Teilen der gesamten Gemeinschaft Nachweisen lagt, so liegt das daran, daß trotz der Zerstreuung ähnliche geschichtliche Faktoren und Situationen immer wiederkehrten und darum immer wieder in gleicher Weife wirksam waren. In erster Reihe ist zu berücksichtigen, und zu erörtern die erzieherische Seite der jüdischen Religion. (Ls wird freilich nicht unnötig fein, vor der Besprechung dieses Punktes ausdrücklich zu betonen, daß hier natürlich kein spezieller religiöser Standpunkt vertreten, sondern nur objektiv referiert wird. Rach zwei Richtungen hin war die jüdische Religion in einer hohen geistigen Stufe hinaufzuführen. Zunächst forderten ihren erzieherischen Maßnahmen geeignet, ihre Anhänger zu ihre Gebote geradezu zum „Lernen" auf, die geistige Beschäftigung wurde zur Pflicht, der jung und alt, arm und reich gewissenhaft Nachkommen sollte. Man suche eine andere ReligiOnsgemeinschaft, welche zu ihren Religionsvorschriften das Streben nach Bildung zählt, für welche es keinen größeren Schimpi gab als ungebildet zu heißen! Anter den Kulturvölkern von heute gibt es kaum eins, das einen so geringen Prozentsatz von Analphabeten aufweisen kann wie das Judentum. (Ls ist bezeichnend, daß die jüdische Religion unter den dreizehn Spezialbitten des alltäglichen Gebets an erster Stelle die Bitte um Wissen, Einsicht und Verstand hat, und wenn der Osten das Judentum das „Volk des Buches" nennt, so gilt das nicht nur im eigentlichen, sondern auch im übertragenen Sinne; es liegt darin die Anerkennung, daß. in der KulLurwelt das Judentum die Religion der Bildung, der geistigen Betätigung und des Geistes schlechthin darstellt. Auf der anderen Seite schufen nun auch die religiösen Vorschriften alle Vorbedingungen, welche für erfolgreiches geistiges Arbeiten von der erheblichsten Wichtigkeit sind. Denn der Grundgedanke aller Gebote, die das Alltagsleben regelten, war die Erziehung zur Mäßigkeit, welche, zumal auf dem Gebiete des Alkohols, zwar nicht wie bei den Völkern des Islams zu völliger Abstinenz führte, aber doch diesem Dämon die Gefährlichkeit für den Geist nahm. Vom höheren ethischen Gesichtspunkte betrachtet, zielten alle Religionsgesetze auf Selbstzucht, aus stete Beobachtung der eigenen Person und damit auf äußerliche und innere Selbstbeherrschung. Die jüdische Religion mit ihren Vorschriften erzog das Volk in Mäßigkeit und geistiger, gesunder Frische, das

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