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Im deutschen Reich · 1912-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1912) · p. 321

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1912)
Article
Reichtum und Geisteskraft im deutschen Judentum
Date
1912-07-01
Page
321 (sequence 5)
Language
German
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321 Reichtum imb Geisteskraft im deutschen Judentum. Beweis für die w i r t s ch a f L l i ch e Kraft, so ist der hohe aktive, schöpferische Anteil der Juden an der Presse, der Literatur und dem Theater, der ebenfalls — obwohl in Ziffern nicht genau zu fassen — die nach der Bevölkerungsquote zu erwartende Zahl bedeutend überschreitet, ein Ausdruck der geistigen Bedeutung unserer Gemeinschaft, und dieselbe Tatsache läßt sich auf den verschiedensten anderen Gebieten mit gleicher Sicherheit aufzeigen. Wenn man nun sowohl den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und geistiger Lage wie auch die Ursachen des geistigen Niedergangs erfassen will, muß, man die Quellen suchen, aus denen dieses A. ebergewicht des Judentums stammt. Man möchte zunächst mit den Rassensanatikern hüben und drüben glauben, alle Fehler und Vorzüge der Gemeinschaft aus der Rassenveranlagung erklären zu können, so daß, recht schwer veränderliche Verhältnisse vorhanden wären und nur eine Rassenverderbnis einen geistigen Abstieg verursachen würde. Freilich ist dieser Erklärungsversuch sehr problematisch. Sobald geistige Eigenschaften in Frage kommen, bewegt man sich hier auf einem sehr dunklen Gebiete; „mit Sicherheit", sagte der geistreiche Klausner einmal, „spricht über Rasse in der Regel nur die Menge derer, die ihren Urgroßvater nicht kennen, und mit ihr pflegen sich nur die zu brüsten, deren Rassenreinheit — sans compaiaison — ungefähr mit der der Hunde von Pera aus einer Stufe steht." Aber selbst wenn man das ziemlich feststehende Ergebnis nicht berücksichtigen will, daß Menschenrassen in kompakten Massen nur unter ihnen eigentümlichen Lebensbedingungen spezifische geistige Eigenschaften entwickeln, während sie in der Zerstreuung nach dieser Richtung mehr als nach jeder anderen dem Einflüsse der Umgebung unterliegen, kann für unseren konkreten Fall die Rassenveranlagung ausscheiden. Denn eine solche ließe sich ganz unbestritten im Judentum nur für das Gebiet der Religion, höchstens noch für das jnristischen Denkens Nachweisen, wohingegen jede andere, anscheinend angeborene Eigenschaft, wie z. B. der kausmännische Sinn sich zwanglos, ja noch besser aus anderen Faktoren erklären läßt. Rur für Religion und Jurisprudenz ließe sich bei dem Volke der Propheten und des Talmuds von rassenhasterBegabung reden, und sie scheidet darum aus, weil diese Seiten menschlicher Geisteskultur heute im Leben der Juden stark zurücktreten. Für das religiöse Gesamtleben der Neuzeit bedeutet das Judentum leider wenig, und auch im inneren Judentum treten das rein Religiöse und seine Probleme stark in den Hintergrund. Was das ReHtsgebiet anbetrifst, so läßt sich gewiß nicht verkennen, daß aus dem Judentum mancher befähigte Gelehrte hervorgegangen ist, ohne daß man wohl von eigenartiger

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