Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Berlin
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 287 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 287 1 u u g betrieb. Er besitzt allerdings Vermögen. Nun hat der Vater aber eine Schwester, eine sehr bekannte 53 jährige alte Dame in Straßburg, die frühe reinen Eierhandel hatte und aus Frankreich ausgewiesen ist. Sie betreibt jetzt ein S p r e ch h e i l i n st i t u t für Stotterer und erfreut sich wegen ihres zweifelhaften Gewerbes nicht ganz der Achtung der Bürger. (Hört, hört! und Zuruf: Wegen der Eierst a n d l u n g?) Die hat sie früher betrieben. Das sind die Gründe. Die Sache ist also weit entfernt von dem Gebiete des Judentums und dergleichen. Dieser Fall ist typisch. Man behauptet oft, ein Aspirant werde aus religiösen Gründen abgelehnt, weil er Jude ist, während tatsächlich ganz andere berechtigte Gründe vorliegen. Die Militärverwaltung ist durchaus in ihrem Recht." Am Tage darauf ist der Abg. Gothein noch einmal aus seine Beschwerde zurückgekommen, um in humoristisch, r Weise darzulegen, daß nur bei jüdischen Offiziersaspiranten es als ein Makel angesehen wird, wenn einer derselben ein einziges Mal im Eisengeschäft seines Vaters einen Kunden bedient hat, oder wenn er der Neffe einer Tante ist, die sogar nur seine Stieftante ist, auch deshalb mit ihm in keinen Beziehungen steht, aber früher mit Eiern gehandelt und jetzt eine Stottererheilanstalt besitzt. — Freiherr v. Heeringen sollte bezüglich der Feinfühligkeit der Offizierskaste sich daran erinnern, daß König Friedrich Wilhelm IV. über die Stellung der Handeltreibenden anders dachte. Als eine Prinzessin eine Dame, die erst durch Heirat hoffähig geworden war, fragte: „Womit handelte Ihr Herr Vater?" und sich durch die Antwort verletzt fühlte: „M i t Verstand!" begütigte der Monarch die Prinzessin durch die Worte: „And die Tochter scheint das Geschäft fortzusetzen!"' — Die wegen der Behandlung j ü d i s ch e r Reisender i n R u ß l a n d vom Deutschen Handelstage erhobenen Vorstellungen haben das Auswärtige Amt veranlaßt, zu erwirken, daß von ihm zunächst Feststellungen vorgenommen werden; von deren Ergebnis wird es ab hängen, ob und w as seitens der deutschen Reichsregierung zum Schutze der bedrohten Interessen getan werden kann. — Die Angelegenheit der Britz er Medizinal Praktikanten führte am 9. Mai zu einem bemerkenswerten Beschluß der Petitionskommission des Reichstages. Der Geschäfts-Ausschuß der Berliner ärztlichen Stand es - vereine hatte an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, die eine Aenderung der ärztlichen Prüfungsordnung dahin verlangt, daß die Praktikanten, die sich in einem Krankenhaus zur Ableistung ihres praktischen Jahres melden, nur aus wichtigen Gründen zurückgewiesen werden dürfen.