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Im deutschen Reich · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. 286

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Berlin
Date
1912-06-01
Page
286 (sequence 2)
Language
German
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286 Im b<mt}ä)en Reich. fr elfte hinzu. Man muß, heute jedem jüdischen jungen Mann und jedem jüdischen jungen Mädchen abraten, sich dem Lehrerberuf zuzuwenden, denn sie sind dabei dem Hunger, der Verzweiflung, der größten Kümmernis ausgesetzt, sie können sich nicht mehr ernähren. Ls hängt das vor allem damit zusammen, daß durch die Abwanderung aus den kleinen Städten viele kleine jüdisch-konfessionelle Schulen zur Auflösung gekommen sind, neue nicht mehr errichtet werden. Die Klagen der Betroffenen wenden sich zum Teil gegen die Berliner städtische Schulverwaltung, als wenn diese die Anstellung an den Berliner Schulen verhinderte, während diese nur nach den bestehenden Bestimmungen verfährt und verfahren muß. Ich bitte die Regierung, aus Humanitätsgründen sich nicht so - strikte an das Zahlenverhältnis der einzelnen Schulen zu binden, sondern Rücksicht auf das Gesamtverhältnis zu nehmen. Die Regierung hat doch auch ein Interesse daran, daß Lehrkräfte vorhanden sind, die den jüdischen Kindern den jüdischen Religionsunterricht erteilen. Wenn die Anstellung weiter in der geschilderten Weise verkümmert wird, so werden allmählich die Lehrkräfte für diesen Zweck fehlen, und wir legen selbstverständlich den größten Wert darauf, daß dieser Religionsunterricht von durchgebildeten Pädagogen erteilt wird." — Bei der Beratung des Militäretats im Deutschen Reichstage hat am 10. Mai der freisinnige Abgeordnete Gothein u. a. berichtet: „Einem Straßburger Herrn, der sich zur Wahl als Reserveoffizier stellte und den das Regiment vorschlug, wurde geraten, zurückzutreten, obgleich er die besten Referenzen hatte. Der Mann war nämlich Jude. Der Vater, ein angesehener Bürger Straßburgs, beschwerte sich beim Kriegsminister und verlangte die Gründe der Ablehnung. Das Kriegsministerium lehnte das aber ab. Wahrscheinlich lag eine hundsgemeine Denunziation vor. Da war ja die geheime Fehme golden. Das Ist in unserem Rechtsstaate möglich! Ist das Ordnung? Dann danken wir für diese Ordnung! So geht geht man mit der Ehre von Leuten um, deren Rase oder Abstammung der Behörde nicht paßt." Der preußische Kriegsminister Freiherr v. Heeringen hat auf diese von der Linken mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Beschwerde entgegnet: „Die Militärbehörde teilt mit Absicht die Gründe nicht mit, nicht weil etwa religiöse Gründe vorliegen, oder weil wir uns zu schämen hätten, sondern um die Leute nicht zu verletzen. Run bin ich aber vom Abg. Gothein so heftig angegriffen worden, daß ich zu meinem lebhaften Bedauern jetzt die Gründe angeben muß. Sie lagen auf ganz anderem Gebiete. Meine Entscheidung war durchaus richtig. Ich habe dienstlich festgestellt, nicht durch Denunziation., daß der Vater früher eine Eisenwaren Hand-

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