Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 284 (sequence 6)
- Language
- German
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284 Im deutschen Reich. Staatsanwalt als das Kennzeichen der gewissenlosen pteffc hingestellt wurde. Als zur Zeit des Sternberg-Prozesses auf den Straßen Berlins „die sensationellen Enthüllungen großartigen Stils" der „Staatsbürger-Zeitung" ausgebrüllt wurde, bezeichnet der Staatsanwalt Dt. Isenbiel öffentlich die betreffenden Behauptungen als durchaus unwahr und fügte hinzu: „Die Hydra der Verleumdung werden wir zertreten, und wenn ihr tausend Köpfe nachwachsen." Ls ist geradezu erheiternd, wenn die tugendhafte „StaaLsbg.-ZLg." fast mit denselben Worten heute gegen die Sensationshascherei anderer „Skandalblätter" zu Felde zieht, denen auch ein Herkules nicht „einen Kopf ab sch lagen kann,-ohne daß ihm sieben nachwachsen". Sie hat zwar ihren Ausführungen in dem Artikel „Die Hyänen der Presse" einen kurzen Widerruf folgen lassen, aber ihre Versicherung, daß es ihr bei ihren Artikeln „selbst solchen mit sensationeller Aufmachung" nur um wirkliche Volksaufklärung zu Lun sei, wird kaum Glauben finden. Anter dem niederdrückenden Gefühl, den Boden im Volke immer mehr zu verlieren, wird das judenfeindliche Demagogentum von immer tieferer Verbitterung ergriffen, lüftet den Mantel monarchischer und kirchlicher Gesinnung, mit dem es früher seine wahre Gesinnung verhüllte, und bekennt immer mehr Farbe. Selbst Organe, die sich dagegen wehren, antisemitisch zu sein und den „Antisemitismus nur als einen winzigen Bruchteil des ganzen Komplexes der völkischen Frage anznerkennen", erklären, mit zaghaften, leisen Worten sei nichts -anzufangen. So sagte im 14. April „Der Volkserzieher": „Wer am jüdischen Gottesbegriffe und dem Alten Testamente hängt, der wird — auch wenn er die größte Macht in Händen hätte — unserem Volke nicht zu dienen vermögen. Wer da glaubt, ein getaufter Jude sei kein Jude mehr, und dt Iudenmission billigt oder fördert, der wird allezeit vor den allein wirksamen Maßnahmen zum Schutze des Deutschtums zurückschrecken. Wer da meint, ein einzelner von heute könne das Erbe zweitausendjähriger Ahnen in sich ausschließen und bei gutem Willen ein Deutscher werden, der errettet uns nicht aus der Iudengefahr. Wer überhaupt nur eine staatspolitische oder eine wirtschaftliche oder eine literarische oder gar nur eine religiöse Iudengefahr zu erblicken vermag, der kommt für die Befreiung Deutschlands nicht in Betracht." — Nun wird es sich ja zeigen, ob eine solche Befreiung durch