Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 283 (sequence 5)
- Language
- German
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Amschau. 283 die bisher nicht einmal eine wirkliche Gleichberechtigung erlangt habe::, nichl daran denken, Luftschlösser wie eine „Herrschaft im Staatsleben" zu bauen. Im allgemeinen nimmt man an, daß das Mißgeschick die Menschen zur Selbstzucht und zur Selbstveredlung anregt; davon ist 'bei der konservativen Parteipresse aber nichts zu spüren, denn ihr angeblich veredelter Antisernitismus unterscheidet sich seit der Wahlniederlage nicht wesentlich von den Organen der radikalen Antisemiten. Die „Königsberger Hartungsche Zeitung" hat kürzlich darauf hingewiesen, daß das in Königsberg erscheinende amtlicheBlatt der o st v r e u ß i - s H e u P r o v i n z i a l ab t e i lu n g d es Bun d e sderLandwirte Artikel antisemitischer Tendenz bringt, die keine Spur sittlichen Empfindens aufweisen, da es das längst widerlegte'Ritualmordmärchen seinen Lesern auftischt, von dem Schmumachen in Wein und Geld faselt, die Warenhäuser „Götzentempel des Mammons" nennt, in denen eine Legion junger Mädchen jüdischer Verführungskunst erliegt, und schließlich freundlichst empfiehlt, „die Verbrecher des Deutschtums hinauszujagen!" Das ist nach Form und Inhalt derselbe Stoff, den die „Staatsbürger-Zeitung" täglich zu Markt bringt, ohne Käufer zu finden, der aber den antisemitischen Agrariern gut genug , erscheint, damit in ländliche Kreisen zu hausieren. Wenn die „Staatsbürger-Zeitung" in dem Artikel „Die Apachen in Berlin" aus ihrem Herzen keine Mördergrübe macht, sondern offen bekennt, daß ihr der Pariser Apache mit dem aufgeklavpten Messer gegen die jüdischen „geschäftlichen Apachen" wie ein harmloser Waisenknabe vorkomme und „die Greuel der Bon not und Genossen" nur wie ein Tropfen im Ozean, so ist das eben ein Standpunkt, der bei den Leuten, welche die Schmach des Jahrhunderts geschäftlich verwerten, begreiflich ist. Dem anständigen Bürger flößt derartiges nur Widerwillen ein, und die Masse der Berliner Arbeiter ist politisch so reif, daß aus Artikeln wie „Das verrückte Berlin" bei ihnen nichts weiter haftet als der Satz, in dem der Verfasser dieses antisemitischen Aufsatzes bekennt: „Wi rsind k ein e S äu lenheilige und wir stoßen nicht in das Horn der Rören und Schuckman!" Die „Staatsbürger-Zeitung" mit ihrem frommen Augenaufschlag eignet sich wahrlich nicht zum Moralprediger; sie hat sich arg verganaen durch beständiae ..Antastung der Ehre von Privatpersonen", eine Tätigkeit, die im Konitzprozeß von dem