Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 282 (sequence 4)
- Language
- German
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282 Im deutschen Reich. Die Verhandlungen des Reichstages über öre WcfyxvoxlaQC haben das Organ des Hochadels, die „Kreuz-Zeitung", veranlaßt sich über die sozialdemokratischen Redner „fremder Rasse" zu äußern und dabei die antisemitische Redensart einzuflechten: „Die internationale Sozialdemokratie, geführt von diesem Wändervolke, zieht alles in den Staub, was deutsches Heldentum heißt. Es gehört zu diesem Verführungssystem, da ßdem Volke vorgelogen wird, die oberen Gesellschaftsklassen hätten von jeher fein höheres als das Geldinteresse gehabt und Kriege auch nur geführt, um dabei zu verdienen." Das fromme Blatt hat aber nichts dagegen einzuwenden, wenn von seinen guten Freunden dem Volke vorgelogen wird, daß die jüdischen „Diplomaten" sich nur deshalb zu Friedensstiftern eignen, weil sie dabei das Geldinteresse leite. Wie die Mehrheit der deutschen Juden zu der Frage der Wehrvorlage und ihrer Deckung steht, ergibt sich ebensowenig aus den Aeußerungen einzelner sozialdemokratischer Abgeordneter wie aus der Behauptung des Zen - L rums-Redners Lrzberger, die Fortschrittler seien in Mililärfragen unzuverlässig, der Freisinn klage nur noch im stillen Schmerze darüber, daß der Sohn des schwerreichen Kommerzienrats Isidor Cohn noch nicht Leutnant bei den Garde- Husaren sein könne. Die deutschen Juden haben Beweise genug geliefert, daß sie, wenn das Vaterland in Gefahr ist, stets bereit sind, Gut und Blut für seine Verteidigung hinzugeben. Wenn sie sich über den Ausschluß von dem Offiziersstand beklagen. ist weder Eitelkeit noch Ehrgeiz dabei die Triebfeder, sondern nur die Verletzung ihres Ehrgefühls, weil ihnen durch diesen Ausschluß der Stempel der Minderwertigkeit ausgedrückt wird. Gerade die Erfahrungen, die das Zentrum bei der Erklärung des Kriegsministers von Heeringen über die Duellfrage gemacht hat, hätten Herrn Erzberger belehren müssen, daß die deutschen Juden, wenn sie die Zurücksetzungen int Heere bekämpfen, vollständig klar darüber sind, daß die Stellung des ersten jüdischen aktiven Offiziers mindestens ebenso schwierig sein werde, wie die eines streng religiösen katholischen Offiziers, aber wenn Ehre auf dem Spiele steht, gilt es, um einen Strohhalm zu fechten! Die „Kreuz-Zeitung" schrieb kürzlich: „Einem großen, für die Öffentlichkeit besonders bedeutsamen Teile des Judentums ist es jetzt nicht mehr um Gleichberechtigung, sondern um die Herrschaft im Staatsleben zu tun." Mit einer solchen widersinnigen Behauptung wird man politisch reifen Männern keinen Schrecken einjagen; diesen ist es hinreichend bekannt, daß die deutschen Juden,