Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. 281

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1912-06-01
Page
281 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316817-2316823--22653-2346150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Amschau, 281 Ladung nach Korfu erhielt, identifizierte die Antisemitenpresse ihn mit einem Lhicagoer Fleischsabrikanten, zu dem er nicht einmal in verwandtschaftlichem Verhältnisse stand. In einem „Die jüdische Gefahr" überschriebenen Artikel bezeichnet die „Staatsbürger-Zeitung" die angeblich von der freisinnigen Presse ausgestellte Behauptung, daß eine kleine Clique das deutsche Volk beherrsche, als eine große Lüge, erfunden, um die Aufmerksamkeit des Volkes von der kleinen Clique jüdischer Börsenfürsten abzulenken, die in Wirklichkeit Deutschland und seine Regierung in der Lasche haben." An diesen Ansinn knüpft das Antisemitenblatt folgende Auszeichnungen: „Haben wir schon einmal gehört, daß. der Kaiser von einem „lieben Heydebrand" sprach? Aber „mein lieber Ballin" sagte er vor nicht langer Zeit in Hamburg. Welche Junker haben beim Kaiser so oft und Leicht Zutritt wie B a l l i n, ein Rat Henau, ein James Simon, ein v. Friedlaender-Fuld?" In derselben Tonart spricht sich der „alldeutsche" S chriftsteller Wilhelm S ch w a n e r in der Zeitschrift „Der Volkserzieher" aus. In einem „Sportsmann oder Fürst" überschriebenen Artikel wird dem Prinzen Heinrich der Vorwurf gemacht, „als Vertreter seines hohen Bruders bei dem Festessen aus-Anlaß, der feierlichen Eröffnung der kaiserlichen Luftschiffahrt neben Friedlaender-Fuld und anderen Edelkäufleuten gesessen zu haben". Roch schärfer geht Herr Schwaner gegen den deutschen Kronprinzen mit den Worten vor: „Wenn dem zukünftigen Kaiser Deutschlands daran liegt, Kaiser der Deutschen zu werden — nicht: König der Juden, nicht: Präsident des Kapitals — so braucht er nicht gerade in sozialdemokratische, freisinnige und ultramontane oder konservative Wahlversammlungen zu gehen — obgleich ihm das absolut nicht schaden, im Gegenteil mehr nützen würde, als eine Partie Tennis im Garten des Kohlenbarons Anker den Linden. Wenn er, wie sein Argroßvater, „Liebling des Volks" werden will, dem alle zujubeln: „Heil Kaiser!", dann lade er sich nach den ernsten Stunden des Kasernendienstes lieber Goethe oder — Lagarde zu Gaste, als irgendeinen geadelten Millionär aus Berlin W>V." Es genügt wohl, derartige Aeußerungen niedriger zu hängen und daraus hinzuweisen, daß auch die sogenannten „Alldeutschen" eine aufreizende Sprache führen; Schwaner selbst teilt mit, C. v. Vielrogge habe in Rr. 7 des „Türmers" das zu oft verwaiste Regiment ernst und eingehend behandelt, „ein Beweis, wie weite Kreise der gebildeten Bevölkerung in Anruhe um das — kommende Regiment seien".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.