Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 280 (sequence 2)
- Language
- German
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280 Im deutschen Reich. landsliebe den Friedenswerken niemals entzogen, aber nie eigennützige Zwecke verfolgt. Ihre Begabung für die Erlernung fremder Sprachen machte sie ohne ihr Zutun in Staaten mit verschiedenen Rationalitäten zu natürlichen Vermittlern sriedensstiftender Art, so daß. sie ungewollt zu Kulturträgern wurden. Daß, diese segensreiche Arbeit von den Rassenfanatikern in den deutschen Ostmarken ebenso wie von den nationalen Heißspornen in Böhmen und Mähren verkannt und durchkreuzt wurde, hat Folgen gezeitigt, die jeder wahre Vaterlandsfreund beklagen wird. Für politische Kreise, denen die Parteisache über alles andere geht, sind natürlich solche Erwägungen nicht maßgebend. Wie man in diesen Kreisen denkt, ist aus einem Artikel der „Deutschen Tageszeitung" über „Juden als diplomatische Vermittler" zu entnehmen, in dem über den angeblichen Einfluß von Ballin, Lrnest Cassel und Jakob Schiss allerhand phantasiert und schließlich gesagt wurde: „Die trügerische Lockung ist stets, man wolle ja den Frieden erhalten und sichern und gewandt vermitteln, und wer wäre dazu mehr geeignet als die hervorragenden Juden der verschiedenen Länder! Die Lockung muß immer verderblich sein, aus dem einfachen Grunde schon, weil der Boden und der Gesichtspunkt des vermittelnden Juden niemals der nationale sein kann. Wenn es zwischen Deutschland und Frankreich „etwas beizulegen" gab, erschien zwischen den. Tiraden über die „beiden großen Kulturnationen" die Sehnsucht: endlich möge sich der Pariser Geldmarkt den deutschen Werten öffnen. Das ist ja die „internationale Kultur". Ihr muß nationale Beschränktheit sich unterordnen." Daß der deutsche Kaiser von solcher „Beschränktheit" sich nicht meistern läßt, wenn es gilt, den Weltfrieden zu erhalten, können ihm die kriegslustigen- Reaktionäre und radikalen Antisemiten nicht vergeben. Wer nicht an ihrem Strange zieht und sich nicht ihren ParteiinLeressen blindlings unterordnet, der ist „undeutsch", sei er hoch oder niedrig; ihm gegenüber versagt öre monarchische Gesinnung sofort vollständig. Ls sind nicht nur die „Deutsch-sozialen Blätter", sondern auch konservative und alldeutsche Organe, die den Monarchen einer gehässigen Kritik unterziehen, weil er Männer aus dem Volke heranzieht, die sein Interesse erregt haben. Auch wenn es nicht „jüdische Vermittler" sind, sondern andere, nicht der abge stempelten konservativen Richtung angehörende Personen, zeigt die antisemitische Presse eine monarchische Gesinnung, die ihr bei anderen Parteien als strafwürdige Majestätsbelerdigung gelten würde. Als der christliche Amerikaner Armour eine Ein-