Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 274 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316823-2346085--22641-2346143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
274 Im deutschen Reich. der deutschen Juden als meine Wertvollste Lebenserinnerung. Wir Ce n t r a l - Ve re i n l e r haben den Verband so gestellt, daß er alle Juden umfassen soll. Ich habe daraus mit Nachdruck bestanden, daß insbesondere den Zionisten im Verbände eine Vertretung eingeräumt wird. Ich möchte nicht, daß Sombart den Geist des Zwiespalts zwischen uns trägt. Wir sind einig mit t>eu Zionisten nicht bloß in Stolz und Selbstbewußtsein und in dem Bestreben, den Geist zu bannen, der im Assimilantentum so gefährlich für die Iudenheit geworden, wir sind auch einig mit ihnen, durch ein Werk friedlicher Kulturarbeit die soziale Lage der Juden zu verbessern. Wir sind nicht einig über die Begriffe: völkisch, staatlich, über die Notwendigkeit oder Zweckmäßigkei! eines jüdischen Staates, sowie darüber, ob es möglich und nötig fein wird, einen Staat zu schaffen, der nicht bloß die Heimat des Volkskörpers der östlichen Juden, sondern auch die Heimat für die westlichen sein soll. Aber diese Differenzen in Ansehung des Zieles sind so nebensächlich gegenüber der langen und weiten Strecke, die wir miteinander gehen müssen, daß wir dringend alle bitten, einig darin zu sein, daß. wir vorerst den gemeinsamen Weg gehen, wonach jüdischer Geist auf dem Boden unserer Kultur wiederbelebt wird. Wir wollen gemeinsam an dem Werke der jüdischen Vereinigung arbeiten, vereint marschieren, wenn auch in weiter Ferne die Wege auseinandergehen. Ich kann mir nicht denken, daß die Zionisten dulden werden, daß Männer wie Sombart ihre Bannerträger sein sollen; wäre ich Zionist, so würde ich sagen, Gott schütze mich vor solchen Freunden, ich würde ihn abschütteln von meinen Nockschößen und zu ihm sagen: Du bist nicht kalt, du bist nicht warm usw. Den Rest lese man an der betreffenden Stelle nach. Werden wir einig sein, werden wir treu sein, so bangt mir um die Zukunft nicht. Was die Legionen Roms, die Scheiterhaufen des Mittelalters überwunden hat, was der Druck und die K u e ch t u n g de r Jahrhunderte n i ch t zertreten konnte, was durch Druckimmer nur seine federnde Sprungkraft wieder erhalten hat, wird auch weiter l e b e n d i g u n d l e b e n s st a r k b l e i b e n, hierauf dem Boden unseres Vaterlandes. Aud ich fürchte nicht, daß wir schließlich an dem Mangel an Menschen zugrunde gehen werden. Hat uns die Vorsehung durch Jahrhunderte v o l l er F inst er nis, Verf o lgung und No t geleitet, durch Aechtu ng , Nnwürdigkeit und' Verworfenheit geführt und uns die Güter wahren Menschentums, Heimat, Ehre und geistige Freiheit wieder-