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Im deutschen Reich · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. 275

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Die Zukunft der Juden
Date
1912-06-01
Page
275 (sequence 19)
Language
German
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Die Zukunft der Juden. 275 gegeben, so wird uns weder der Antisemitismus, sei es der der Gasse, des Katheders oder des Konzertsaales, noch die Kindertaufe der jüngsten Tage überwinden. Wenn wir das Erbe der Väter bewahren, der Vater gern gedenken, was wir von ihnen ererbt haben, erwerben, um es zu besitzen und den Kinbtm weitergeben, wenn wir die Kinder in Stolz und Treue erziehen, sie nicht entwurzeln von dem Boden, auf dem wir gewachsen sind, dann wird weder Haß, der Feinde noch Abfall uns schwächen. Seien wir stolz, nicht weil wir uns als auserlesenes Volk betrachten, sondern weil wir die Erben der ältesten Kultur sind, weil wir der Welt die Offenbarung, das Sittengesetz, die alles umfassende Nächstenliebe gegeben, weil das Judentum zuerst den Grundsatz aufgestellt hat, daß man das Menschenleben dem göttlichen zustrebend gestalten, rein und heilig werden solle, daß jede Menschenseele rein und der göttlichen Gnade teilhaftig ist. Wenn Sombart meint, ihm sei die deutsche Kultur erheblich lieber als die jüdische, so nehme ich ihm das nicht nur nicht übel, sondern ich verlange sogar von ihm als seine Pflicht und Schuldigkeit, daß. ihm das Deutsche lieber ist als das Jüdische. Er ist nicht Jude, sondern deutscher Christ, und deshalb mag er das Christentum mehr lieben als das Judentum. Wir aber sind deutsche Juden, für uns ist Deutschtum und Judentum Vater und Mutter. So wenig er Christentum und Deutschtum miteinander abwertet, so wenig werten wir Judentum und Deutschtum miteinander ab. Ein kläglicher Geselle, der Vater und Mutter abwertet und sie nicht beide gleich liebt und ihnen gleiche Treue bewahrt. Sagt Sombart, daß man ein selbstbewußter Jude und ein sehr guter Deutscher sein kann, daß ein Jude, der sich als Jude fühlt, am deutschen Geist seinen vollen Anteil haben kann, so hätte er auch für den Begriff des deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens ein Verständnis haben sollen. Der Gedanke, daß man ein getreuer Sohn seines Vaterlandes sein, seiner Glaubensgemeinschaft Treue bewahren kann und soll, den hat der Central-Verein mit besonderem Aachdruck in das deutsche Judentum hinausgetragen. Wir wollen dem Central-Verein anhängen und dienen, weil er uns stärkt und bekräftigt in der Treue, die Glaube, Familie und Vaterland umfaßt. Seien wir treu und stolz und einig, dann wird trotz aller berufenen und unberufenen Propheten unser Kämpfen und unser Mühen dem Judentum, dem Vaterlande, der Menschheit zum Segen gereichen. Das walte Gott!

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