Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 272 (sequence 16)
- Language
- German
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272 Im deutschen Reich. dieser Gefahr vorzubeugen: man brauche nur den Juden alle Remter zu eröffnen, dann sei nicht zu befürchten, daß das Notariat verjuden würde. Das gilt mutatis mutandis auch für die Universitätsprofessoren. Die Verwaltung mag und soll — das ist ihr gutes Recht — bei der Besetzung der Stellen den örtlichen Verhältnissen Rechnung tragen, aber auch die örtlichen Verhältnisse dürfen nur im Rahmen der Verfassung berücksichtigt werden. Gewiß hat niemand das Recht, Offizier bei dem oder jenem Regiment zu werden, aber, wenn die Verwaltung keinen Juden für geeignet hält, in irgendeinem Regiment des Landes, sei es auch nur in einem Train-Regiment, eine Offizierstelle zu bekleiden, dann sind Rechtsgrundsätze verletzt, nicht bloß Verwaltungsmaximen, dann hat die Verwaltung nicht, wie sie soll, den Bewerber nach seiner Persönlichkeit, sondern nach seinem Glauben bewertet, und das darf sie nicht. Sind die reichen Kommerzienratssöhne des Westens ungeeignet zu Offizieren, so schließe man sie aus, aber dann auch die christlichen, nicht bloß die jüdischen. Soll die Verfassung nicht ein inhaltloser Fetzen Papier sein, so müssen ihre Sätze einen Inhalt Haben; will die Verwaltung die Staatsbürger in ihren Rechten und Pflichten nicht um ihres Glaubens willen differenziert wissen, so kann die Verwaltung nicht grundsätzlich die Juden aus den Offizierstellen und einer Reihe anderer Beamtenzweige ausschließen. Ich erinnere Sombart an Mommsens Wort, daß es Ehre und Pflicht der Ration sei, die Juden zu schützen nicht bloß vor offenem Rechtsbruch, sondern vor administrativer Prellerei. DiesesWortmagsichSombartgegenwärtig halten. 8. An die generelle Unfähigkeit der Juden für den Heeresdienst glaube ich nicht. Ich erinnere an das, was Staatskanzler Hardenberg am 4. Januar 1815 an den Grafen v. Grothe geschrieben hat: „Auch hat die Geschichte dieses letzten Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, daß sie des Staates, der sie in seinem Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden sind. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmutes und der rühmlichen. Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, sowie die übrigen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferungen jeder Art den Christen sich angeschlossen haben." In den späteren Kriegen haben die Juden nicht zurückgestanden hinter ihren andersgläubigen Kameraden. Keiner von