Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 270 (sequence 14)
- Language
- German
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270 Im deutschen Reich. fähig nur der ist, der seiner Glaubensgemeinschaft die Treue bricht." lim btx Ehre unserer Religion wegen haben wir den Kamps zu führen. Wir wollen kämpfen, weil wir k ä m p s e n m ii s s e n. 4. Die Behauptung des Rechts i st eine Pflicht unserer moralischen Selbsterhaltung, eine Pflicht gegen die Glaubensgemeinschaft. Der Kampf ist sittliche Pflicht für die Minderheit, deren Recht verkümmert wird. Den Kamps um unser Recht sollen wir führen, nicht bloß um unserer Kinder, unserer Ehre, unserer Glaubensgemeinschaft wegen, sondern auch um des Vaterlandes und der Gerechtigkeit wegen, weil der Kampf fürs Recht und ums Recht sittliche Pflicht ist, und die Verwirklichung des Rechts und der Gerechtigkeit im Interesse des Staates liegt. Es wäre sinnlos, den g e g e n w ä r Lü g e n Zustand der Re ch t s v e r k ü m m e ru n g z u verteidigen, um Reibung s f l ä ch e n z u e r s p a r e n. Wenn wir mit einem faulen Frieden uns setzen würden, so würden wir nicht wert sein, Deutsche zu sein und die Emanzipation erhalten zu haben, 5. Sombart meint, der Zustand sei zwar ungerecht, aber er solle so bleiben. Hätte man auf solche Propheten schon vor hundert Jahren gehört, dann hätten wir die Gleichberechtigung noch heute nicht, dann wärest wir auch heute noch nicht freie Kaufleute, Anwälte, Aerzte, Richter. Ob wir Reibungen schaffen, wenn wir uns zu den Aewtern drängen, ist gleichgültig; dann wollen wir solange reiben, bis die Dinge glatt werden, bis sich die E r k e n n L n i s durchgerungen hat, daß Glaube und Eigenart nichts zu tun haben mit der vollen Teilnahme am Staats leben, daß der Glaube des Einzelnen so gleichgültig ist wie der Unterschied, ob man Dualist oder Monist, Idealist oder Materialist, Optimist oder Pessimist, Klassiker oder Romantiker, Mozartianer oder Wagnerianer ist usw. Der Kampf ist notwendig, weil die Gemeinsamkeit der Abwehr und das Bewußtsein der erfüllten Pflicht den Charakter stählt, das bange Gemüt erhebt und das Judentum verinnerlicht. Das habe ich nicht erst vor zehn Jahren bei dem zehnjährigen Stiftungsfest, sondern schon viel früher, im Jahre 1894, gesagt, als die ersten Delegierten des Central-Vereins zusammentrafen. Was Sombart von leuchtenden Augen und geröteten Wangen sagt, mutet mich an, als ob es eigene Worte von mir wären; denn damals sagte ich, daß ich in kleinen Städten Oberschlesiens, in Ostpreußens Hauptstadt gewesen bin, daß ich dort hundert Herzen schlagen und hundert Augen flammen gesehen. Ich habe