Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 269 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316823-2346085--22636-2346138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3>U Zukunft der Juden. „Schacherer und Krämer" gemacht? Aen.nL nicht jüdisch, sagt Rießer, die traurigen Erzeugnisse der Schmach und ll n t e r b x ü <f u n g, die ein rühmloser Aebermut uns aufgebürdet hat, denn wir nennen nicht christlich den Geist der Hexenprozesse und der Scheiterhaufen. Lassen wir den Geist der Vergangenheit ruhen und öffnen wir nicht die Gräber. W i r sind Deutsche und w o l l e n Deutsche bleiben und hier ttt Deutschland auf deutschem Boden unsere Gleichberechtigung erringen, unbeschadet unserer jüdischen Eigenart, unserer Treue, unserer Glaubensgemeinschaft. Auch wir wollen innere Wiederbelebung, Renaissance des Judentums, nicht Assimilation. Auch wir wollen stolz in der Eigenart und unserer geschichtlichen Entwicklung treu bleiben. Hier auf deutschem Boden wollen wir uns Gleichberechtigung erkämpfen und Bürger sein. 3. Wollen und sollen wir als Juden hier in Deutschland weiterleben, so irrt Sombart, wenn er meint, es sei für uns kein Grund zur Entrüstung, b wir nicht Offizier, nicht Professor werden könnten; das Leben sei auch so lebenswert. Was Sombart sagt, daß. das Leben lebenswert sei, auch ohne daß. man die Staatsämter bekleidet, habe ich fast wörtlich bereits am 30. Oktober 1905 bei der Begründung des Verbandes deutscher Juden gesagt: „Gewiß, meine Herren," sagte ich damals, „das Leben ist lebens wert, auch wenn man nicht Korpsstudent, Reserveoffizier oder Landrat werden kann. Können wir nicht vor der Front kämpfen, so werden wir in Reihe und Glied kämpfen, wenn das Vaterland ruft; kann man nicht Richter des Rechts sein, so bescheide man sich, ein Anwalt zu sein, und läßt man uns nicht Lehrer der Wissenschaft sein, so wollen wir versuchen, ihre Mehrer zu sein. Alles das ist im Grunde genommen gewiß, zu ertragen. Vielleicht ist es auch gut, daß wir unsere Kinder daran gewöhnen, vom Staate nichts zu fordern, sondern ihm nur zu geben, sich nicht auf Pfründen des Staates zu verlassen, sondern auf eigenen Füßen zu stehen und im freien Kamps der Kräfte zu bestehen, und daß wir unsere Kinder dazu erziehen, mehr nach Ehre als nach Ehren zu streben. Aber was wir nicht ertragen und dulden dürfen, das ist die geistige Strömung, die die Frucht der Antisemitenbewegung ist, daß man uns unseres Glaubens wegen für minderwertig hält, daß man es nicht einmal für nötig hält, uns das verbriefte Recht und die beschworene Verfassung zu halten, daß. der kurulischen Ehren