Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zukunft der Juden. 261 Ehre, willig werden wir alles opfern, nur Glaube und Treue, Wahl heit und Ehre nicht; denn Deutschlands Helden und Weise haben uns nicht gelehrt, daß man durch solche Opfer ein Deutscher wird. Gabriel Rießer hat das sagen können, weil Eduard v. Hartmann damals seine Auffassung vom Patriotismus noch nicht geäußert hatte. Wenn man v. Treitschke und Eduard v. Hartmann mit Sombart in einem Atemzuge nennt, so tut man Sombart unrecht. S o m b a r t steht als Mensch hoch über beiden, ich habe das in meiner Festrede des näheren begründet, v. Treitschke und v. Hartmann waren beide reine A n t i - semiten, die für die Miseren des Daseins Sündenböcke suchten und sie in den Juden fanden, die das Christliche, Germanische, Arische für gut, alles andere, insbesondere das Jüdisch- Semitische für böse hielten. Treitschke sagt, die Juden sind unser Unglück, Sombart sagt, sie sind unser Schicksal, unser gottgewolltes Schicksal. Sombart hat volles Verständnis dafür, daß jede Art ihre Vorzüge und ihre Fehler hat, er ist nicht von Haß verblendet und von Vorurteil erfüllt. Manches ist richtig beobachtet und beachtenswert; aber er irrt meines Erachtens in dem Grundgedanken und seine Gedanken sind nicht voll durchdacht. 1. Sombart irrt, w e n n e r uns als eine andere Rasse, als Fremde betrachtet. Das widerspricht der historischen Entwicklung, 'die die Dinge genommen haben, und ünserm Empfinden. Wir mögen eine Eigenart haben, aber wir sind kein Fremdkörper mehr im Staate, keine fremde Rasse. Religion und Inzucht mögen einen eisernen Reisen um uns geschlagen haben, und die jahrhundertelange Absperrung im Ghetto mag die Eigenart vertieft und verschlechtert haben. Aber eine jahrhundertelange Kultur in deutscher Freiheit hat die objektiven F r e m d h e i L s m o m e n L e z u r ü ck g e d r ä n g t und immer mehr ist das subjektive Moment, der Wille und das Bewußtsein in den Vordergrnd geutreten. Wir sind zuerst, ehe die antisemitische Bewegung kam, schon unbewußt Deutsche geworden, und nun wollen wir es m i L B e w u ß L s e i n sein und uns unser Vaterlanö durch die Antisemiten nicht verkümmern lassen. Das Judentum mag eine besonders starke soziale und religiöse Gruppierung sein, aber sie ist nicht mehr als das. Wir ..haben jahrzehntelang in unserer Kindheit und Jugend nichts anderes gewußt, als daß wir Deutsche sind, an deutscher Dichtung nnb deutscher Kunst, cm deutscher Kultur und deutscher Gesittung haben wir