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Im deutschen Reich · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. 266

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Die Zukunft der Juden
Date
1912-06-01
Page
266 (sequence 10)
Language
German
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266 Im deutschen Reich. meinschast, daß sie aufhören, ein fremder Staat im Staate zu sein. Damals wurden ihnen Kommunal-und Lehrämter verliehen und die Gewährung weiterer Staatsämter der Folgezeit überlassen. Hardenberg hatte gesagt, daß, da sie alle gleichmäßig mit dem Feinde gekämpft hätten, ihre Belohnung auch gleichmäßig sein solle. Dann kam die V e r w a l tu n g s p ra x i §, und al§ der mosaische Glaubensgenosse unter Berufung auf die Zusage ein Zivilämt verlangte, wurde ihm eröffnet, daß er zwar durch die freiwillige Teilnahme an dem Feldzuge einen gleichen Anspruch erworben habe, solchen aber des jüdischen Glaubens wegen nicht geltend machen könne. Demnächst kam das Iudengesetz von 1847, welches zwar mit dem Grundsatz begann, daß Juden und Christen gleiche Rechte und Pflichten haben sollten; die Gleichheit wurde aber nur bezüglich der Pflichten verwirklicht. Zu Staatsämtern, die richterliche, polizeiliche oder 'exekutive Gewalt erfordern, könnten die Juden nicht zugelasfen werden. Dann kam die Verfassung von 1850, welche zwar alle Preußen vor dem Gesetz als gleich erklärte und ausdrücklich bestimmte, daß die öffentlichen Remter allen Befähigten gleich zugänglich sein sollten., daß der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte von dem Religionsbekenntnis unabhängig sein und daß die christliche Religion nur den Staatseinrichtungen zugrunde gelegt werden sollte, die mit der Religionsübnng im Zusammenhänge stehen. 'Aber die Verwaltung fand, daß auch das Amt eines Feldmessers und eines Baubeamten mit der christlichen Religionsübung im Zusammenhang stehe, und versagte den Juden diese Aemter Dann, kam das T o l e r a n z g ese tz vom 3. Juni 1869, das auch die letzte Hintertür verschloß; nun sollte die Gleichberechtigung kommen, und doch ist sie nicht gewährt worden. Ich habe in meiner Rede bei der Emanzipationsfeier als Wortführer der öffentlichen Meinung die Herren v. Treitschke und v. Hartmann zitiert, die das Versagen der Gleichberechtigung immer noch damit erklärten, daß die Juden Fremde und der Staat christlich fei, daß die Juden ohne Vorbehalt im Deutschtum aus ge heu, d. h. mit anderen Worten zum Christentum übertreten sollen, v. Hartmann hat in einem solchen Uebertritt ein Martyrium des Patriotismus und .des Familiensinns erblickt und sich damit an der Ethik unserer deutschen Geistesheroen, an der Ethik Goethes versündigt, wonach jeder, der die Religion wechselt, mit einer Art von Makel bespritzt ist, von der es unmöglich erscheint, ihn zu reinigen. Fordert alles von uns, sagt Gabriel Rießer, fordert jedes Opfer, nur nicht Wahrheit und

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