Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 265 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Zukunft der Juden. 26 sind Fremde, aber sie sollen hier bei uns bleiben; die Juden sind eine herrliche Art, aber die Verjudung muß ein Ende nehmen; es ist besser, daß sie uns nicht umklammern. Der moderne Mensch ragt mit seinem Leibe in viele fremde Kulturen hinein und lebt in ihnen, aber das Gemisch von jüdisch und deutsch verschlechtert beide sehr. Die Juden sollen die Gleichberechtigung erhalten, aber sie sollen sie nicht annehmen: der gegenwärtige Zustand ist ungerecht und unvollkommen, aber er soll so bleiben, Rechtsgrundsätze seien nicht verletzt. Sombart hat das Wort der Schrift nicht beherzigt: Euer Wort sei ja ja, nein nein; sein Wort ist ja aber und nein aber. Darf er sich wundern, daß sein Eharakterbild von der Parteien G u n st und Haß verwirrt wird? Nimmt man noch hinzu, was er an anderer Stelle gesagt: „Das Wort „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" sei ein Bluff, der Antisemitismus sei keine Schmach für das Jahrhundert, er sei an und für sich eine Notwendigkeit, fei immer gewesen und werde immer sein", dann tut man ihm wohl nicht unrecht, wenn man ihn charakterisiert als einen philosemitischen oder zionistischen Antisemiten oder als einen antisemitischen, zionistischen Philosemiten, oder als ein seltsames Naturkind, das durch Neuheit und Eigenartigkeit die Mitmenschen interessiert. Meine Herren, neu und eigenartig ist aber nur das Ergebnis,- nicht neu und eigenartig ist die Methode. Die Methode ist uralt. Es ist die Methode dessen, der nach Gründen sucht; das Anrecht zu justifizieren und der dabei sich notgedrungen kompromittiert. Ich habe es schon wiederholt gesagt, das Unrecht ist nur tolerabel, wenn es in seiner Gewalttätigkeit schweigt, nicht erträglich, wenn es redet und sich zu rechtfertigen versucht. Deshalb haben ja auch die Verwaltungen die glänzende Formel gefunden, unbequeme Anträge mit den kurzen Worten zurückzuweifen, daß man keine Veranlassung habe, ihnen stattzugeben. Es geht gegen die Grundsätze jeder Diplomatie und Verwaltungspraxis für Entscheidungen da, wo der Grundsatz gilt: stat pro ratione volunias, Gründe anzugeben, Ich sage die Methode des „ja aber" und des „nein aber", die Methode, wie man das Recht der versagten Gleichberechtigung zu rechtfertigen versucht, ist uralt. Lassen Sie mich es Ihnen kurz darlegen: Vor 100 Jahren erschien das Edikt, das die Juden als Inländer und Staatsbürger erklärt, das dann in einer Reihe ministerieller Verordnungen dahin erläutert ist, daß die Juden keine andere Verbindung mehr seien, als eine religiöse Ge-