Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 264 (sequence 8)
- Language
- German
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264. Im deutschen Reich. Zustande nichts ändern wollen. Er wird, so unvollkommen er ist, soviel Härten und Ungerechtigkeiten er mit sich bringt, doch den Interessen, wie scheint, aller Beteiligten am ehesten gerecht. Die Juden selbst sollten nicht ganz unnützerweise Dinge verlangen, die ihnen zu allererst schaden würden. Sollte ich, sagt Sombart, mein Programm kurz formulieren, so würde ich sagen: Die Christen geben ihren jüdischen Mitbürgern die volle Gleichberechtigung, und die Juden werden die Klugheit besitzen, die Gleichberechtigung nicht überall und in vollem Umfange auszunutzen. Würde das Programm verwirklicht, so könnten wir der Zukunft hoffnungsvoll entgegenschreiten un.d gewiß sein, daß sich das Zusammenleben mit den Juden imb der Juden mit uns zu einem harmonischen und für alle Teile segensreichen gestalte. Ich habe Ihnen den Inhalt der Schrift ziemlich vollständig und wörtlich mitgeteilt, weil ich Ihrem Urteil nicht vorgreifen wollte. Wenn Sombart sagt, daß er ein Recht habe über die Iudenfrage zu reden, so ist das unbestreitbar; wenn Sombart klagt, daß sein Charakterbild von der Parteien Gunst und Haß verwirrt in der Geschichte schwanke, daß er von den einen als Antisemit verschrien, von den anderen als Iudenknecht gebrandmarkt würde, so-habe ich Ihnen den Tatbestand objektiv mitgeteilt, damit Sie selbst beurteilen sollen, ob an diesem Schwanken das Urteil der Parteien oder die Zwiespältigkeit seines Wesens schuld ist. Wenn wirklich Gunst und Haß der Parteien sein Bild verwirrt, so wäre das nicht auffallend, denn Sombart ist ein neuer Typus, für den es bisher an einer Kategorie gefehlt hat. Wir haben bisher Antisemiten und Philosemiten, vielleicht auch Asemiten gehabt, wir haben die Juden als Zentralvereinler, Zionisten, Assimilanten. und Indifferente differenziert. In diese Kategorie paßt Sombart nicht hinein. Als ich sein Buch las, glaubte ich am Anfang, er sei ein. Philosemit; als ich in die Mitte kam, glaubte ich, er sei Antisemit und als ich an das Ende kam, wußte ich nicht mehr, ob er Philosemit, Zionist oder Antisemit, oder ob er beides oder gar alles ist. Ich fragte mich, ob er uns Juden liebt, und es ging mir schließlich wie dem Backfisch, der am Blatt der Akazie es zu ergründen sucht, ob er mich liebt, ob er mich nicht liebt. Und je nachdem ich die eine oder die andere Seite las, konnte ich sagen: „Er liebt mich, von Herzen, mit Schmerzen, ein klein wenig oder gar nicht." Reu und eigenartig ist die Komöinatiou der Gedanken in diesem blendend geschriebenen Buche. Entkleidet man sie des schmückenden Beiworts, so kommt ungefähr folgender -Gedanke heraus: Die Inden