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Im deutschen Reich · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. 263

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Die Zukunft der Juden
Date
1912-06-01
Page
263 (sequence 7)
Language
German
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Die Zukunft der Juden. 263 amt und habe insbesondere kein Verständnis dafür, wie jemand ein solches Amt mit der Preisgabe seiner Aeberzeugung für sich oder seine Kinder erkaufen könne. Wenn die Juden sich in ihrem Rechtsgefühl empört fühlten, daß sie in eine bestimmte Stellung nicht gelangen könnten, so würde ich, sagt Sombart, einem solchen Mann antworten, daß. es Hier ganz und gar nicht am Platze sei, in Entrüstung zu geraten, weil ein Rechtsprinzip erstens gar nicht verletzt und zweitens das in Frage stehende Problem überhaupt nicht nach formalenRechtsgrundsätzen erledigt werden könne. Daß man die Juden bei ihrer Zulassung zu Ilniversitätsämtern beschränke, könne man im Interesse der amtlich approbierten Wissenschaft bedauern; denn es sei immer eine Schädigung des wissenschaftlichen Betriebes in einer Lehranstalt, wenn zwischen zwei Bewerbern um eine Stelle der Dümmere gewählt würde. Aber, da die Juden im Durchschnitt so sehr viel gescheiter und betriebsamer als wir sind, so könnte dieses leicht die Wirkung einer vollständig freien Zulassung der Juden zu den Lehrstellen an den Universitäten sein. Als er in Breslau Professor gewesen, habe der Lehrkörper schon zu einem vollen Drittel aus Juden bestanden. Sollten die Juden angesichts solcher Tatsachen nicht zu der Aeberzeugung kommen, eine Beschränkung liege in ihrem höchst eigenen Interesse. Bei Offizieren läge die Sache anders. Die Kriegerkaste sollte man am liebsten überhaupt nur aus Kriegerfamilien ergänzen. Schon der reiche Kommerzienratssohn aus dem Westen bringt längst nicht dieselben Eigenschaften mit, die den tüchtigen Frontoffizier machen, wie der arme Iunkerssohn aus dem Osten, in dessen Familie der Offiziersberus vielleicht seit Jahrhunderten ausgeübt wird. Das bißchen Offizier- Werden könne doch die Juden wirklich nicht so sehr reizen. Eine ehrverletzende Zurücksetzung läge für sie ebensowenig in der Ausschließung vom Ofsiziersstande, wie für uns Bürgerliche in der Ausschließung von bestimmten Regimentern. Die soziale Stellung der Juden in Deutschland sei deshalb vorzüglich, weil sie eben noch nicht in alle Gebiete eingedrungen seien und deshalb weniger Reibungsslächen schüfen, wie in andern Ländern. Sobald jüdische Elemente in das Osfiziercorps hineingestreut werden, würde der antisemitische Zündstoff zur Flamme werden. Er verstehe es nicht, wie es einen Juden gelüsten könne, in einem Offizierkasino ewig wie auf einem Pulverfaß zu sitzen als Opfer eines schlecht verstandenen formalen Gerechtigkeitsfanatismus. Oder solle man sich rein jüdische Regimenter vorstellen? Das Ergebnis seiner Untersuchungen zieht Sombart in folgenden Sätzen: Also in Summa: Man sollte wirklich einstweilen — was die ferne Zukunft bringt, wissen wir ja nicht — an dem bestehenden

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