Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 262 (sequence 6)
- Language
- German
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262 -Im deutschen Reich. Juden in unsere graue Rordlandswelt hineinrage, ein wahres Labnis, sonst möchten wir an lauter Blondheit am Ende zugrunde gehen und ersticken, wenn wir nicht zwischen uns den Atem der heißen orientalischen Seelen unserer jüdischen Mitbürger verspüren würden. Eines möchte ich wünschen — sagte Sombart —, daß. die Juden, die bei uns leben, gleichmäßiger über das Land und über die verschiedenen Kulturgebiete verteilt werden, sich nicht an einzelnen Punkten zu großen Klumpen zusammen ballten uno uns dann etwas den Atem benähmen; aber diesen Mangel würde die Zeit vielleicht heilen. Da man so oft aus jüdischem Munde die Versicherung höre, man sei auch als Jude mit Leib und Seele Deutscher, so müßten sich Formen finden lassen, die jüdische und die europäische Volksgruppe, sagen wir einmal, friedlich und zum Segen beider Zusammenleben zu lassen, auch wenn die Juden Juden bleiben und wieder mehr werden wollen. Die Juden werden eine Kultur schaffen wollen, die zwar aus jüdischer Wurzel stammt, die aber doch im Freien gedeihen und aus dem Regen und Sonnenschein des freien Geistes unserer Lage Kraft zum Wachstum ziehen solle. Sie werden aber auch nicht darauf verzichten wollen, an den Gütern der anderen Kultur teilzunehmen, wie sie im Ghetto verzichtet haben. Sie werden Bach und Beethoven, Goethe und Schwindt, Shakespeare und Michelangelo, Rossini und Tolstoi ebenso lieben und erleben, wie wir. Der moderne Mensch, wenn er auch mit den Füßen auf dem Mutterboden seines Volkes stehe, rage doch mit seinem Leben in viele fremden Kulturen hinein und lebe in ihnen. Warum solle ein Jude, der sich als Jude fühlt, am deutschen Geist nicht vollen Anteil habend Daß sie unbeschränkten Anteil am Staatsleben nehmen, indem sie die Rechte des Staatsbürgers ausüben und seine Pflichten erfüllen, erscheint auch als das natürliche. Kann man nicht — sagt Sombart — ein selbstbewußter Jude und ein sehr guter Deutscher im staatsbürgerlichen Sinne .zu gleicher Zeit sein? Was haben das Volksbewußtsein und das Staatsbürgertum miteinander zu tun? In diesem Zusammenhänge sei ein Punkt zu berühren, um den der Kampf der Leidenschaften besonders heftig entbrannt sei, das sei d i e B e s e tz u n g b e st i mm ter Stellen im Staate, namentlich wohl einzelner Beamten- und Offiziers stellen. Aber Sombart fragt: Ist es denn gar so notwendig, Offizier oder gar Reserveoffizier zu werden? Ist es unerläßlich für den Forscher, der wirklich die Wissenschaft liebt, daß er die Approbation als ordentlicher Professor erhalte? Sei oie Welt so arm an Möglichkeiten, sein Leben lobenswert zu gestalten? Er begreife nicht die Sehnsucht nach dem Staats-