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Im deutschen Reich · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. 261

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Die Zukunft der Juden
Date
1912-06-01
Page
261 (sequence 5)
Language
German
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Die Zukunft der Juden. 261 >ält S. für nicht stichhaltig. Damit die jüdische Renaissance einen Mittelpunkt habe, bedürfe es eines solchen konkreten Zieles, wie es der Gedanke eines selbständigen Iudenstaates -st. Auch damit irgendwo ein Ort sei,.wo das jüdische Wesen ach in Reine entfalten könne, sei es wünschenswert, daß starrnational gesinnte jüdische Männer und Frauen, wie jetzt schon in Palästina, sich zusammensinden und ihre glühenden Seelen in ein gemeinsames Becken ausschütten könnten. In dem Gesamtbilde einer jüdischen Renaissance dürfe die Idee des Iudenstaates nicht fehlen. Run entsteht freilich sofort die andere Frage^ welche Juden den geplanten Iudenstaat bilden sollten. Wenn alle Juden morgen den Entschluß faßten, nach Palästina zu ziehen, um dort zu wohnen, wir Christen würden es nimmer zulassen können. Es würde ja allein aus dem Gebiete der Volkswirtschaft einen Zusammenbruch geben, wie wir ihn bisher in keiner noch so großen Krisis erlebt haben. Unsere re i ch st e n, unsere betriebs a m st e n B ü r g e r würden w i r v e r l i e r e n. Aber auch aus allen übrigen Gebieten der Kultur, welche unaussüllbare Lücke würden die Juden reißen, wenn sie aus diesen Ländern auszögen? Rein, daran solle man wahrhaftig nicht mehr denken, daß auch nur ein erheblicher Teil der westlichen Juden ihren Wohnsitz nach Palästina verlegte. Es sei aber auch nicht notwendig, damit das jüdische Volk eine Wiedergeburt erfahre, dass alle oder auch nur die meisten Juden in Palästina wohnten. Man könne sich wohl denken, daß ein Iudenvolk, das sich wieder als nationaler Körper fühlt, doch nur zum kleinen Teil in Palästina, zum größten Teil in der Diaspora lebe. Wie man den hier lebenden, Juden das Bewußtsein ihres Judentums erhalten und stärken solle, das seien innere Angelegenheiten der Juden, darüber wolle er als Ri-chtjnde aus Takt nicht sprechen. Hauptsächlich, meine er, würde es sich um eine G e s i n n u n g s r e f o r m handeln. Wenn der Wille zum Judentum, wenn die Bekenntnistreue erst wieder stark geworden seien, so folgten alle übrigen Maßnahmen zur Bildung des jüdischen Volksbewußtseins von selbst, wie die Frage der Tradition, die Frage jüdischer Dichtung und jüdischer Kunst. Als ein äußeres Wahrzeichen, daß man entschlossen sei, Jude zu bleiben, als ein Symbol gleichsam, werden alle aufrechten Juden bei dem mosaischen Bekenntnis ausharren, auch wenn sie innerlich vielleicht das jüdische Religionsbekenntnis längst überwunden haben. Sie werden doch zu dieser Religion stehen, wie der Soldat zur Fahne steht. Ob w i r Deutschen u n s der Jude n freuen sollte n , sei i m G r u n d e g e n o m m e n e i n e m ü ß ige, aber da r n m eine sehr reizvolle Frage; zumal dort, wo wir am reinsten germanisch sind, sei das Stück Orient, das mit den

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