Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-06-01
- Page
- 259 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Zu.ku.nfL der Juden. 259 gebenden Völkern sei das Ziel, auf das alles Streben 311 richten sei. Sombart wirst die Frage auf, ob die Assimilation wünschenswert und möglich sei, und er beantwortet die Frage dahin, eine völlige Assimilation, ein völliges Verschmelzen - mit den europäischen Völkern sei den Juden bisher nicht gelungen, werde ihnen wahrscheinlich aber auch nie gelingen, da offenbar die Volksverschiedenheit zwischen ihnen und den europäischen Stämmen zu groß sei. In dieser Feststellung sei e i n e t i e f e T r a g i k e i n g e s ch l 0 s s e n: wir könnten immer wieder beobachten, daß viele der besten Juden dieses Ziel erstreben, sich selbst zu überwinden und auszugehen in ihrer Umgebung, von dem schweren Schicksal, das Gott ihnen auserlegt hat, Juden zu sein, sich zu befreien. Dabei müßten sie gestehen, daß diese Sehnsucht unbefriedigt bleibt und diese Ansicht habe die besten unter den Juden zu dem Entschlüsse gezwungen, da sie doch als Juden nicht sterben könnten, als Juden zu leben. (Ls handle sich nunmehr um die Frage, ob man die jüdische Art vernichten oder erhalten solle. Daß es eine jüdische Art gäbe, die auch außerhalb des Religionsbekenntnisses bestehe, ist für ihn außer Frage, er hat darüber einen langen Abschnitt in seinem Buch: „Die Juden und das wirtschaftliche Leben" geschrieben. Er meint, eine spätere Zeit werde es kaum begreifen, daß es in unseren Tagen Leute gegeben habe, die den Juden als Angehörigen eines bestimmten Volkes oder einer bestimmter: Rasse von einem Reger oder einem Eskimo oder einem Pommer oder einem Südfranzosen nicht zu unterscheiden vermochten. Er nähme, wie gesagt, hier als bewiesen an, daß es eine jüdische Art gäbe. Werde er vor die Alternative gestellt, ob er es für wünschenswert erachte, daß diese Art erhalten bleibe, so antworte er dreimal ja aus tausend Gründer:. Jede Art zu erhalten sei ein Gewinn, aber natürlich ein um so größerer Gewinn ist die Erhaltung einer Art, je wertvoller diese ist. „Brauche ich es zu sagen, daß wir im Iudenvolke, wenn wir es als Ganzes betrachten, eine der wertvollsten Arten vor uns sehen, die das Menschengeschlecht hervorgeöracht hat? Welche gewaltige Lücke müßte in der Menschenwelt entstehen, wenn die jüdische Art verschwände. Von allen Einzelheiten abgesehen, das Iudenvolk ist es, das seit den Propheten den großen ethischen Ton in das M e n schh e i t s k 0 nzert gebracht und durch seine besten Söhne auch heute immer wieder bringt. Das große tragische Pathos, das die natürliche Welt versittlichen will, stammt doch am Ende aus Juda und ist von dorther in das Christentum übergegangen. Wie arm würde diese Welt werden — ich zitiere wörtlich —, wenn es in ihr nur noch grinsende Amerikaner oder selbst wenn es