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Im deutschen Reich · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. 258

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Die Zukunft der Juden
Date
1912-06-01
Page
258 (sequence 2)
Language
German
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258 Im deutschen Reich. blendend geschrieben ist, schillert in so verschiedenen Farbentönen und Nuancen, daß, ich mich nicht getraue, trotz jahrzehntelanger Gewöhnung im Referieren, ohne wörtliches Zitieren ihrem Inhalt gerecht zu werden. Sombart sagt, die Empörung über die Politik der großen liberalen Presse, die Iudenfrage totzuschweigen, habe ihn veranlaßt, diese Schrift zu schreiben, um dazu beizutragen, die Erörterung des Fudenproblems wieder in das breite Licht der Oesfentlichkeit hinauszutragen. Rach der Reserve, die er sich in seinem Buche: „Die Juden und das wirtschaftliche Leben" auferlegt habe, sei es für ihn ein Bedürfnis gewesen, zu dem Problem der praktischen Iudenpolitik Stellung zu nehmen, um nicht den offenen und versteckten Vorwurf der Feigheit auf sich sitzen zu lassen. Wenn sein Buch „Aeber die Juden und das wirtschaftliche Leben" wissenschaftlichen Wert habe, so solle diese Schrift nichts als eine Bekenntnisschrift sein und nur das enthalten, was er, ohne Anspruch auf Objektivität zu erheben, als Mensch und Zeitgenosse über die Zukunft der Juden sagt. Den Einwand, daß, er als Richtjude nicht das Recht habe, über die Zukunft der Juden zu sprechen, müsse er zurückweisen. Sombart geht davon aus, daß der größte Teil der Juden, fast aller ö st l i ch e n Juden, in kümmerlichen Verhältnissen lebe, die sich vielerorts zu Zuständen der Rot, des Elends und der Verzweiflung ausgestalteten. Das geistige Leben dieser östlichen Juden sei noch Heute, wie im Mittelalter, das Leben des Ghetto. Im Osten Europas gäbe es eine Iudennot ganz elementarer Ratur, eine Rot des Leibes und der Nahrung. Das Problem der östlichen Juden sei ein Ansiedlungs- oder Hmsiedlungsproblern. Es wäre von Herzerr zu wünschen, daß alle Bestrebungen, die die Nnterbringung der östlichen Juden als Ziel haben, auf die Kolonisation Palästinas und der umliegenden Länder sich vereinigen, und daß diese Kolonisation systematisch und energisch in Angriff genommen würde, einstweilen nur mit dem nüchternen, praktischen Ziel, möglichst vielen Juden menschenwürdige Lebensbedingungen zu verschaffen. Bei den w e st l i ch e n Juden könne von einer Iudennot in dem Sinne, baß die Juden Rot litten an Licht und Luft, nicht die Rede sein. In Deutschland speisten sie ja mit goldenen Löffeln am Tische des Kaisers; märchenhaft seien die Erfolge, die dieses wundersame Volk tu so kurzer Zeitspanne seit seiner völligen Unterdrückung bis heute überall errungen habe. Hier dränge nach der Auffassung zahlreicher Juden und Nichtjuden die natürliche Entwicklung auf Assimilation. Hier sei vielfach die Meinung vertreten, das allmähliche Aufgehen der jüdischen Elemente in den sie um-

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