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Im deutschen Reich · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. 240

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
[Ohne Titel]
Date
1912-05-01
Page
240 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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240 Im deutschen Reich. dir allerältejtert Dinge, die längst widerlegt sind und als überwunde x gelten dürfen, hervorgeholt. Die Alliance Israelite Universelle kommt wieder aufs Tapet. Die alten Talmudflugblätter tauchen auf, gegen die wir sofort ein Gegenflugblatt erließen, dessen Studium auch den Juden nicht warm genug ans Herz gelegt werden kann; denn es ist unbedingt erforderlich, daß wir uns mit den Waffen ausrüsten, die in dem Kampf gegen den gesamten „wissenschaftlichen" Antisemitismus nötig sind. Gerade das Arbeitsgebiet, das wir als den Kampf gegen den wissenschaftlichen Antisemitismus bezeichnen, wächst von Tag zu Tag. Er ist an die Stelle des Radauantisemitismus getreten. An seiner Spitze stehen die Männer, welche Studenten waren, als Treitschke seine antisemitischen Hetzreden hielt. Gleich wichtig ist der Kamps gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus. Dieser ist vielleicht das traurigste Kapitel in der gegenwärtigen Geschichte der deutschen Juden. Man weiß kaum, was man einem selbstbewußten deutschen Juden als Beruf anraten soll. Ileberall werden die Juden zurückgedrängt, im Bankwesen, auf dem Gebiete der Technik, der Chemie. Auch der jüdische Kaufmann begegnet auf Schritt und Tritt dem Antisemitismus. Die Zahl der Angestellten wird größer, und da Ist es um so bedenklicher, wenn aus Großbetrieben die Juden einfach ausgeschaltet werden. Allen diesen Aufgaben gegenüber bedarf es eines Zusammenfassens aller Juden. — In einem schwungvollen Schlußwort forderte der Redner dte anwesenden Männer und Frauen auf, sich dem Verein anzuschließen und ihn nicht nur ideell, sondern auch finanziell zu unterstützen. Auch er wendet sich, wie Herr Iustizrat Horwitz, mit besonders eindrücklichen Worten an die Frauen, deren Aufgaben im Kreise des Central-Vereins er in eingehender Meise darlegt, insbesondere die Pflicht, die Kinder mit staatsbürgerlichen Gedanken für den Kampf im Leben auszurüsten. Die Kinder müssen so erzogen werden, daß sie den Antisemitismus ohne Verbitterung über sich ergehen lassen. Die lebhafte Diskussion, welche nach kurzer Pause einsetzte, zerfiel in zwei Teile. Zunächst wurde von den Herren Rabbiner I)r. Schreiber, Cohnstaedt und Iosephsohn zu den angeschnittenen Fragen Stellung genommen, dann aber in ausführlicher Debatte, an der sich eine sehr große Zahl von Herren beteiligte, über die Notwendigkeit der Gründung einer Ortsgruppe diskutiert. Das Ergebnis kann als sehr erfreulich bezeichnet werden. Es wurde mit allen gegen 2 Stimmen die Bildung der Ortsgruppe beschlossen und sofort die Wahl des Vorstandes vorgenommen, der sich aus 7 Herren zusammensetzt. 8. — Am 14. April fand in Neustadt a. H. eine Vorstandssitzung des Landesverbandes für die Pfalz statt. Herr BachMeustadt hielt einen Vortrag über das Thema: „Wie

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