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Im deutschen Reich · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. 228

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1912-05-01
Page
228 (sequence 4)
Language
German
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228 Im deutschen Reich. lautete: „Inwiefern ist der Katholizismus ein Rückfall in Paganismus (Heid entum) u nd Judentum?" Die Juden werden aber sogar auch in Verbindung zu dem e u ch a - r i ft i s ch e n W e l t k o n g r e ß gebracht, der in diesem Jahre mit großem Pomp in Wien abgehalten werden soll. Der Berliner „Vorwärts" berichtet, die Kosten für die Demonstration würden von reichen Juden getragen werden, die in den Adelsstand erhoben werden sollen. Diese sehr unwahrscheinliche Ankündigung beweist immerhin, daß [vn denselben Kreisen, welche die antisemitelnde Zentrumspresse in tendenziöser Weise so häufig als unter jüdischem Einflüsse stehend bezeichnet, hierüber ganz entgegengesetzte Anschauungen zum Ausdruck gebracht werden. Die bevorstehenden Verhandlungen über die Wehrvorlage werden auf die jetzigen Parteiverhältnisse einen bedeutenden Einfluß ausüben. Die politischen Parteien rechnen damit und iuchen sich deshalb zu konzentrieren. Die radikalen A n t i s e m i t e n ziehen ein Zusammengehen ernstlich in Erwägung, und wenn sich auch die Deutsche Sozialen, gegen die Annäherungsversuche der Deutschen Reformpartei zurückhaltend gezeigt haben, werden sie sich schließlich doch mit der Verschmelzung einverstanden erklären und gemeinsam mit den Reformern versuchen, noch andere Parteien nach dem Vorschläge des Herrn Fritsch möglichst mit antisemitischen Gedanken zu durchsetzen! Die „Deutsche Tageszeitung", das Organ des „Bundes der Landwirte", wird dem Bunde dann ihren mütterlichen Segen erteilen und, vielleicht auch, soweit ihr Einfluß reicht, sich bemühen, den erschöpften Parteitagen der radikaler: Antisemiten neue Quellen zu öffnen. Insbesondere auf dem Gebiete der auswärtigen Politik steht die agrarische Presse vollständig auf dem Standpunkte der Antisemitenpresse, Stimmung gegen England zu machen, um eine rastlose Vermehrung der Rüstungen als unerläßlich hinzustellen. Die Folgen einer solchen Taktik sind unabsehbar, weil man im Ausland den Einfluß der für eine aggressive Politik schwärmenden antisemitischen Presse auf die Mehrheit des deutschen Volkes weit überschätzt. Dle deutschen Juden sind Patrioten, aber keine „Chauvinisten" wle ihi'e antisemitischen Gegner. Wenn aber dem Vaterlande jemals eine ernste Gefahr droht, werden sie als gute deutsche Staatsbürger stets ihre Pflichten treu erfüllen und keine Opfer scheuen. So haben sie stets gehandelt. Wenn sie den größten Eifer für Frei h e i t s ideen bekundeten, haben sie doch die E i n - h e i t und GrößedesVaterlandes über alles gestellt. Vor wenigen Tagen wurde daran erinnert, daß der vor hundert Jahren, in Danzig geborene jüdische Journalist Aron Bernstein, der in der „Urwähler-Zeitung" und nach deren Unterdrückung tu der noch heute bestehenden „Berliner Volkszeitung"

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