Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 227 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 227 germanischen Göttin „O st a r a" ersetzt, und wenn arische Chauvinisten wieder germanischen Götzendienst betreiben, kümmert dies die deutschen Juden wenig; sie stehen den Kämpfen, die der pseudo-germanische Antisemitismus innerhalb der christlichen Kirche entfacht, ebenso neutral gegenüber wie den religiösen Streitigkeiten zwischen Katholiken und Protestanten. Daß. trotzdem die agrarischen und antisemitischen Blätter ihnen dabei eine Tätigkeit zuschreiben, zu der sie weder Anlaß, noch Fähigkeit haben, ist für alle, die sich bisher für die Taktik der Antisemiten interessiert haben, nicht befremdlich. Für die Tivoli- Konservativen, die nichts gelernt und nichts vergessen haben, Met&en die Juden noch heute wie im Mittelalter die „Prügelknaben". Die früheren Führer der im Reichstage noch immer den Ausschlag gebenden ZenLrunrsxarter Mallinckrodt, Reichensperger, Windthor st und insbesondere der vor zehn Jahren verstorbene, antisemitischen Regungen völlig unzugängliche Lieber hätten sich aber nie damit befreundet; sie wären auch nie darüber im Unklaren gewesen, daß. die Hintermänner der „Kreuz-Zeitung" mit ihrer Vorliebe für Ausnahmegesetze für sie sehr zweifelhafte Bundesgenossen sein würden. Die „Germania" und andere vom Antisemitismus abfärbende Zentrumsblätter lieben es durch Hinweise auf Zeitungsartikel, die von Dissidenten oder längst getauften Juden herrühren, das Judentum mit Unrecht fortwährend für Vorgänge verantwortlich zu machen, die es nichts angehen, bei denen sich vielmehr früher oder später ergeben wird, daß die den Antisemiten näherstehenden Tivoli- Konservativen dem Zentrum die machtvolle Stellung nur soweit gönnen, als sie ihren rückschrittlichen Bestrebungen zustatten kommt. In einer Versammlung der Ortsgruppe Stettin des deutsch-sozialen Reichsverbandes hat der antisemitische Reichstagsabgeordnete I)r. Werner am 28. März die Zusammensetzung des neuen Reichstages beklagt, weil er in nationalen Fragen sehr viel zu wünschen übrig lasse. Gben sei die Ostmarkenzulage gefallen, und man müsse auf noch weitere derartige Beschlüsse gefaßt sein. Leider stehe dem Zentrum auf evangelischer Seite keine Partei gegenüber, die ebenso alle schaffenden Stände sammle. Daß diese Stimme sich auch keineswegs auf deutsch-soziale Kreise beschränkt, beweist eine Mitteilung des „Badischen Beobachters", der in den ersten Apriltagen berichtete, an dem Gymnasium in Lahr in Baden habe sich unter den im evangelischen Religionsunterricht gefertigten Arbeiten der Prima, eine solche befunden, deren Thema