Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 226 (sequence 2)
- Language
- German
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226 Im deutschen Reich. Hetzen unb Anlocken. Der christliche Glauben ist es, für und gegenden gestritten wird. Ein ungeheures Geschrei hat sich erhoben, wie einst in Jerusalem: „Hinweg mit diesem." Die Fortschrittliche Volkspartei will diese Zerstörung des Christentums unter den Gebildeten, die Sozialdemokratie unter den breiten Massen unseres Volkes betreiben. Wer wollte diese Gefahr unterschätzen?" — An diese Ausführungen schließt sich dann ein giftiger Ausfall des Agrarierblattes gegen das Judentum, das als „treibende Gewalt" hinter diesen beiden Parteien stehe. Die „Königsberger Hartungsche Zeitung" erklärt: „Es genügt wohl, dieses jüngste Produkt eines heuchlerischen Geschäftschristentums, das jeden wahrhaft religiös gesinnten Menschen aufs tiefste verletzen und anwidern muß, niedriger zu hängen." Diese Anschauung teilen wir nicht; es genügt dies keineswegs; denn es ist nicht etwa ein einzelner Tropfen Gift, der harmlosen Landleuten eingeimpft wird, sondern es sind auch andere bestimmte Anzeichen dafür vorhanden, daß die konservativen Agrarier ebenso wie ihr deutsch-sozialer Troß die bei den letzten Reichstagswahlen erlittenen Scharten durch Entfachung des religiösen Fanatismus auszuwetzen gedenken. Schon hat die Antisemitenpresse allen Ernstes die Blutmord-Mythe wieder aufgenommen, und wenn, sich auch die konservativen und agrarischen Organe daran nicht direkt beteiligt haben, ist von ihnen bisher doch nichts geschehen, um ihre Mißbilligung der indirekten Anreizungen zu Pogromen zum Ausdruck zu bringen. Daß der „Bund der Landwirte" in seinen für die ländliche Bevölkerung bestimmten Blättern das Judentum beschuldigt, bei Angriffen auf den christlichen Glauben d i e t r e i b e n d e K r a s t zu sein, ist offenbar nur eine andere Art der Iudenhetze und dient demselben Zweck. Auch von dieser parteipolitischen Legende, die immer wieder aufgefrischt wird, gilt das Wort: „Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode!" Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens sind in ihrer weitaus größten Mehrheit so religiös veranlagt, daß sie vor jeder andern ehrlichen religiösen Ileberzeugung, die nicht „zum D e ck m a n t e l p o l i t i s ch e r B e st r e b u n g e n" dient, Achtung hegen. Sie sind erfahren genug, um zu wissen, daß ihre religiösen Einrichtungen nur von denen wirksam beschützt werden, die ihre eigenen religiösen Aeberlieferungen ehren und diese nicht mit dem von den Rassenfanatikern betriebenen heidnischen Baldur- und Tvotanskultus vertauschen möchten. Wenn die Staatsbürger-Zeitung am christlichen Osterfest den „Wariendienst" durch eine Lobpreisung der