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Im deutschen Reich · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. 217

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
Die Säcularfeier des Emanzipationsedikts
Date
1912-05-01
Page
217 (sequence 3)
Language
German
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Die Säcularseier des Emauzipatiousedikts. 217 Kampf ist die Losung, Kampf, den der Central-Verein in vorbildlicher Weise führt. Er schloß seine Ansprache mit dem Wahlspruch: Treu jüdisch und treu deutsch jetzt und alle Zeit. Aeberaus eindrucksvoll verlief die Zentenarfeier in Posen, Königsberg und Gleiwitz. In Posen wurde eine große politische Versammlung veranstaltet, in der nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Gruppenvorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Kirschner, der Vereinssyndikus, Herr Rechtsanwalt Dy. Holland er, , über das Thema der Emanzipation der Juden in Preußen, durch das Edikt vom 11. März 1812 sprach. Es schilderte die Lage der preußischen Juden vor der Emanzipation und begründete eingehend das Zustandekommen derselben. Erst in zweiter Linie kam die Toleranz. Redner streifte dann kurz die Reaktionszeit, entwarf einen dleberblick über die besondere Geschichte der Posenschen Juden und führte den Zuhörern in lebendiger Weise die gegenwärtige Lage der deutschen Juden vor Augen. Er schloß seine mit stürmischem Beifall aufgenommene Darlegung, indem er die Anschauungen der drei modernen Judengegner, des Herrn von Treitschke, Eduards von Hartmann und Sombarts, in einigen prägnanten Sätzen klar formulierte und trefflich widerlegte. Königsberg feierte das Zentenarfest durch Abhaltung eines besonderen Festgottesdienstes am Sabbath, in dessen Mittelpunkt die warm empfundene und tief durchdachte Festrede des Rabbiners Dr. Vogel st ein stand. Der Central-Verein beging den Gedenktag durch eine zahlreich besuchte Festversammlung. Landtagsabgeordneter Dr. C o h n- Dessau als Festredner führte aus: Die Juden haben ein volles Recht, die hundertjährige Wiederkehr der Emanzipation zu feiern, die sie von ihrem Schutzjudentum befreite. Allerdings müsse die Erinnerungsfeier ein Ansporn sein zu rastlosem Kämpfen und Ringen, um die gewährten Rechte voll und ganz in die. Wirklichkeit umzusetzen. Redner schilderte die gegenwärtige Lage der deutschen Juden, die Zurücksetzung in staatsbürgerlicher Hinsicht, im Verwaltungs- und Schuldienst, beleuchtete den wirtschaftlichen Antisemitismus, geißelte die Taufe und legte den Juden dringend ans Herz, jüdisches Wissen zu pflegen. Zum Schlüsse gedachte er noch des Wirkens unseres Vereins, der die deutschen Juden gelehrt habe, gute Deutsche und gute Juden zu sein. Im Anschluß an die Feier fand ein Festessen statt. In Gleiwitz wurde die Feier durch die Mitwirkung des Oberkantors Davidsohn und eines von ihm geleiteten Männerchors verschönt. Die Einleitungsrede/hielt der Vorsitzende der Ortsgruppe Iustizrat und Stadtrat K o chma n n, die Festrede Herr I. Gra offner aus Breslau, der die äußeren Schicksale der preußischen Juden vor Erlaß des Edikts und in der Folgezeit zum Gegenstand seiner Ausführungen machte,

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