Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die Säcularfeier des Emanzipationsedikts
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 216 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316822-2346001--22564-2346038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
216 Im deutschen Reich, bis 1000 Personen füllten den Saal. Den Vorsitz führte Rechtsanwall Abel, der den offiziellen Teil des Abends mit einer warmen Begrüßungsrede eröffnete, in der er insbesOndere den Vertreter der städtischen Verwaltung, Herrn Beigeordneten Kunz, willkommen hieß. Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der deutschen Juden bildete den Inhalt seiner trefflichen Ausführungen. Bach ihm zeigte Stadtrat Herz, wie. im Krieg und Frieden seit dem Erlasse des Edikts der jüdische Teil der Bevölkerung durch treue Erfüllung der nationalen Pflichten sich ausgezeichnet habe. Hierauf würdigte Rechtsanwalt Herzfeld in längerer Rede die Bedeutung des Tages in staatsrechtlich-politischer Hinsicht. Rabbiner Samuel beleuchtete die Bedeutung des Tages in konfessioneller Beziehung und wies auf die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Kunst, Literatur, Wissenschaft und Technik hin. Der Vertreter der städtischen Verwaltung, Beigeordneter Kunz, rühmte zum Schluß die Leistungen der Juden im Dienste des Staates und der Stadt. In Bromberg weckte Rabbiner Dr. Beermann - Insterburg mit seinem Vortrag „Ein Ringen ums Licht" das volle Interesse der zahlreich Erschienenen und hinterließ einen tiefen Eindruck, als er die Zuhörer nicht minder zur Abwehr wia zur inneren Einkehr aufrief. In Magdeburg, wo sich der Ludwig-Philippsonsche Verband den beiden erwähnten Organisationen anschloß, sprach Rabbiner Dr. Wilde in einer mehr als 300 Personen zählenden Versammlung, über das Hardenbergsche Edikt. Er nannte die Geschichte der preußischen Juden einen einzigeü großen Kampf, ein Ringen um die einfachsten Menschenrechte unter den Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg und den Königen von Preußen, einen Kampf gegen Verwaltungsgesellschaft und Geschäftsantisemitismus von 1872 bis auf die Gegenwart. In Breslau sprach Dozenr. Dr. Vrann vor den Mitgliedern unserer Ortsgruppe und des Literaturvereins über die Geschichte der schlesischen, insbesondere breslauischen Juden von der Zeit Friedrichs des. Großen bis auf die Gegenwart. Der folgende Redner, S.-R. Dr. Reich, stellte die begeisterte Ansprache Abraham Geigers im Jahre 1840, welche tiefen Dank für die vor 28 Jahren gewährte Emanzipation atmete, der Festschrift vom Jahre 1862 anläßlich der 50 jährigen Wiederkehr des Freiheitstages gegenüber, in welcher bereits die bange Frage aufgeworfen wird, ob denn angesichts der Zurücksetzung der Juden und der allmählichen Entziehung ihrer Bürgerrechte der fünfzigjährige Gedenktag als Iubeltag gefeiert werden dürfe. Schon damals riet der Verfasser zur Organisation, um der Rechtsverkümmerung geschlossen entgegenzutreten, und heul nach hundert Jahren steht die Freiheit immer noch lediglich auf dem Papier, und