Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die Säcularfeier des Emanzipationsedikts
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 218 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316822-2346001--22566-2346040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2-18 Im deutschen Reich. während der zweite Redner, Herr Rabbiner Dr. Mü n z, die innere Entwicklung des Judentums schilderte. Nicht unerwähnt möge endlich bleiben, daß. in Stettin und Halle, Prediger Dr. Paul Rieger, der Verfasser der Festschrift „Zur Jahrhundertfeier des Iudenediktes vom 11. Marz 1812" die geschichtliche Bedeutung des Edikts auseinandersetzte, daß in Göttingen Rabbiner Dr. Behrend, in Zabrze Rechtsanwalt Skaller aus B e u t h e n das Thema der Iudenemanzipation, insbesondere mit Rücksicht auf die Gegenwart erörterte. In Solingen sprach Dr. David, in Krefeld Rechtsanwalt Dr. Herzseld über das gleiche Thema. In Kattowitz behandelte Dr. Hamburger aus Breslau in gründlicher Weise in der von Sanitätsrat Dr. Glogauer geleiteten Versammlung die Lage der Juden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die politische Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert, während Rabbiner Dr. Cohn es sich zur Aufgabe gestellt hatte, die Schrift des Kriegsrats Dohm zu beleuchten. In ähnlicher Weise schilderte in der Ortsgruppe Oppeln Iustizrat Iungmann auf Grund geschichtlicher Forschungen oie Bedrückungen der Juden vor und während der Zeit Friedrichs des Großen, namentlich in Schlesien, während Rabbiner Dr. Goldmann die Leistungen der deutschen Juden in der Gegenwart pries und den Nachweis führte, daß die Juden sich des Geschenks der Emanzipation würdig bewiesen haben. :* Ritualmordmärchen. Eine von mehr als zweihundert hervorragenden christlichen Vertretern deriWissenschaft,Kunst, Politik undiLiteratur inDeutschtand, Oesterreich und Dänemark Unterzeichnete bedeutsame Kundgebung richtet sich aus Anlaß, des Kiew er Ritualmord- Prozesses gegen eines der traurigsten menschlichen Vorurteile, gegen die scheinbar unausrottbare widersinnige Legende vom Ritual mordderIuden. Am 12. März des vorigen Jahres wurde in Kiew der Knabe Andrej Iustschinsky ermordet - der Verdacht, dieses Verbrechen verübt zu haben, richtete sich anfangs gegen seine Verwandten, die verhaftet wurden, weil sie an der Beseitigung des Knaben ein Interesse hatten. Sie sind aber nach einiger Zeit wieder in Freiheit gesetzt und dafür ein Jude namens B e i l i s in Haft genommen worden, der nach einem plötzlich aufgetauchten Gerücht den Knaben geschlachtet haben sollte, um das ihm abgezapfte Blut für rituelle Zwecke des Judentums zu verwenden. Ob Beilis irgendwie an der Er-