Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 213 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Zukunft der Juden. 213 wangs, eines österreichischen Rationaljuden: „Die Juden zeigen, wenn, sie Herrn Sombart zu Vorträgen einladen, einen Grad dorr Selbstverleugnung, der bis an die Grenze der Selöstverachtung reicht." Wenn die Zionisten Herrn So mbar t zu ihrem Bannerträger wachen, dann reißen sie die Steine herunter, die sie zu dem Bau des jüdischen Selbstgefühls mit aufgerichtet haben. Redner wendet sich nun der Frage zu, ob bei unserem Schicksal als Minorität der Kampf, den wir vor Jahrzehnten begonnen — erst Studentenschaft, dann Bürgerschaft — irgendeine Aussicht zu gutem Ende böte? Er stützt sich, indem er diese Frage bejaht, auf unsere Masse, die eine mehrLausendjährige Feuerprobe bereits abgelegt habe, aus der es sie sprühend immer zum Lichte gedrängt habe. Unser Schicksal ist an sich kein besonderes. Die Geschichte der Iren, der Hugenotten unter Ludwig XIV. beweist das. Es wird nur durch seine lange Dauer zum besonderen Schicksal, weil wir uns eben so kraftvoll erhalten haben. Minorität kann unter Umständen sich als ein höchst beachtenswerter Gegner erweisen. Das bewirkt dasjenige Element in dem Begriff Politik, das wir mit dem Worte Kunst-Geschicktheit bezeichnet haben. Das Judentum ist aber nun einmal auch als Minorität eine Macht von nicht zu unterschätzender geistiger und wirtschaftlicher Kraft. Im Gegensatz zu Herrn Sombart sind wir der Meinung, daß die Gegensätze zwischen Juden und Christen in den letzten Jahrzehnten nicht größer, sondern kleiner geworden sind. Man kann den Satz aufstellen: je stärker wir als Organisation geworden sind, je mehr das zum Bewußtsein gekommen ist, desto achtungsvoller — wir sagen nicht: liebevoller, sondern — achtungsvoller und höflicher ist man uns entgegengekommen. Aber die Futterplätze wird man uns erst dann geben, wenn wir stark genug sein werden, sie zu erringen. Wir wollen als Gleiche behandelt werden. Wir lehnen die Prozentberechnung des Herrn Sombart ab. Wenn man uns nachrechnet, daß wir auf der Hauptstraße zwei Geschäfte mehr haben als die Christen, so drückt man damit aus, daß wir Fremde, Eindringlinge sind. Das Thema der heutigen Versammlung ist in diesen Ausführungen unter einheitlichen Gesichtspunkten behandelt worden. Einheitlich muß auch die „Lösung" — natürlich mit verschiedenen Ruaneen in den einzelnen Ländern —angesehen werden. Redner geht sodann kurz auf die Verhältnisse in Rußland, Rumänien, Galizien ein. „Wenn China, dies in Antiquitäten geronnene Land, Republik geworden ist, dann muß man siede Entwicklung für möglich halten."