Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 212 (sequence 4)
- Language
- German
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212 Im deutschen Reich. darum. In der Politik gibt es keine Geschenke. Alles muß durch Kampf errungen werden. Nun hat der Zionismus in der letzten Zeit einige Pflöcke zurückgesteckt: die Palästina Hoffnung ist geschwunden, Vas Palästina z i e l — ohne Palästina — ist geblieben. Man sucht die national-jüdische Idee im Lande — gewissermaßen als Ortsidee — auszubreiten und zu vertiefen. Gewiß ist die national-jüdische Idee ein zugkräftig Wort, ein zugkräftiger Begriff gewesen, um die östlichen Juden aus ihrer Lethargie herauszureißen, um einen Teil von ihnen dem Boden zu entreißen, auf dem sie nicht leben und nicht sterben können, um sie einer Kolonisation zuzuführen, die auch wir unterstützen, die es aber schon lange vor dem offiziellen Zionismus gegeben hat. Aber spürt man denn nicht, daß das hochgesteckte Ziel ein ganz gefährliches Mittel wird, daß es zu teuer erkauft wird, wenn es auf unsere westlichen Verhältnisse herüberzugreifen droht? Sollte man's aber noch nicht spüren, dann wäre Herr Sombart der geeignete Mann, um es uns klarzumachen. Nach Herrn Sombart, der so lebhaft für den Zionismus eintritt, sollen wir die volle Gleichberechtigung bekommen, aber den Takt haben sie nicht ganz anzunehmen. Wir sollen möglichst unter uns bleiben — gewissermaßen ein Handelsvolk in Deutschland sein. — Gin Prozent verträgt er ganz gut. Gin. zweites und drittes geht auch noch an, wenn wir uns nur ein wenig mehr verteilen und ihm nicht gar zu sehr den Atem benehmen. Ganz kann er uns nicht entbehren, denn das würde eine Krise geben, von der sich Deutschland nicht erholen könnte. Sollten wir aber 4 oder 3 °/o werden, dann hackt er uns schnell ein paar Prozente ab. Nun verlangt er von uns, daß wir uns möglichst verteilen sollen, vergißt aber dabei, daß die berufliche und gesellschaftliche Ausscheidung, die er befürwortet, dies gar nicht möglich macht. Wir sollen keine Ambitionen nach hohen Beamten-, nach Offiziersstellen erheben. Familientradition ist die allerbeste Ausrüstung für den Offizier. Oder hatte Napoleon I. in Sombarts Sinne Familientradition, unb seine Marschälle, diese gefürchteten Bürstenbinder, die die Welt eroberten? Wahrlich, wenn man zu diesen Ausführungen noch dazu nimmt, was Sombart in seinem (geschmackvoll von ihm bezeichneten) „dicken Iudenbuch" von der jüdischen Religion geschrieben hat, die gewissermaßen nur ein Handelsgeschäft mit dem lieben Gott sei, von dem LRangel jeden ästhetischen Bedenkens, das die Assimilation hindern könnte, wenn man die Betrachtungen liest, die er den alten Anselm Rothschild am Sabbath anstellen läßt, nachdem er in der Woche eben eine Million „verdient'' hat, dann begreift man das Wort Or. Feucht-