Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die Zukunft der Juden
- Date
- 1912-05-01
- Page
- 211 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zukunft der Juden. 21t £)ie Juden nur die schlechten Kerle, die es verdient haben, daß. man sie durch die ganze Weltgeschichte hindurchgehetzt hat? Redner weist nun nach, daß, das Schicksal der Juden überall einheitlich aufzufassen sei: als das Schicksal der Minorität gegenüber der Majorität. Sr geht auf die psychologischen und ökonomischen Ursachen dieses Schicksals ein, das in den unzureichenden Gütern dieser Erde begründet ist. Er vergleicht die Güter dieser Erde zutreffend mit einer schützenden Decke (näher ausgeführt im November Heft unserer Zeitschrift vom Jahre 1911 in dem Artikel: Juden, kapitalistische Gesinnung, Zielstrebigkeit), unter der die.fröstelnden Menschenkinder nicht ausreichend Deckung finden. Ein Blick auf irgendeine Steuerstatistik beleuchtet das Bild zur Genüge. Redner wählt dazu dir preußische Einkommensteuerstatistik des Jahres 1908. Man braucht sich daraus nur vor Augen halten, daß. 92 % der Steuerzahler unter 2000 M. pro Jahr versteuerten, daß. ca. 60 % —- aus Unvermögen — steuerfrei bei Einkommen unter 900 M. waren, um die Reibungen der einzelnen Schichten untereinander zu verstehen. Es ist ein Trick der Majorität, um die Minorität mit einem Scheine von Recht zu unterdrücken, sie als minderwertig hinzustellen, und so hat eine übelwollende Geschichtsdarstellung zu dem Unglück den Hohn und die Verachtung gefügt. Wir aber halten uns an die Goetheschen Worte: „Ein Kerl, den alle Menschen hassen, der muß. — was sein!" — Wenn wir den letzten Ursachen der Gegensätze nachgegangen zu sein glauben, so fragen wir uns, was verspricht am ehesten die „Lösung" aus den Wirrnissen, unter denen wir leben? Ist es der Zionismus, für den Herr Sombart votiert hat? Von zwei Gesichtspunkten muß man an die Frage herantreten: 1. Bietet der -Zionismus politische Aussichten? 2. Wie stellt sich unser Empsindungsleben dazu? Reigen wir mehr zur Westkultur oder zur Ostkultur — selbst ihre größtmögliche Steigerung vorausgesetzt? Rach der Auffassung, die wir vertreten, würden wir nur andere Majoritätsverhältnisse eintauschen. Dazu kommt: die Türkei wehrt sich selbst gegen einen Massenzustrom. Das Land — ein dauernder Zankapfel in der Geschichte — ist zu klein, um nennenswerte Massen in sich aufnehmen zu können. Dann meldet sich ein Gefühlsmoment: bei aller starken Agitation der Zionisten, die ihre Gegner gern überrennen möchten, um zum Ziele zu gelangen, neigt die Mehrzahl der Juden — besonders bei uns — zur Westkultur auf diesem Boden, mit dem man — man mag sagen, was miau will — huvfy Gut und Blut, durch Rot und Tod, im Leben und im Sterben verknüpft ist. Will man sie uns vorenthalten, so kämpfen wir