Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Ein jüdischer Kaufmann [Rezension]
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 202 (sequence 4)
- Language
- German
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202 Im deutschen Reicy. 1904 Vizepräsident, seitdem ist -er Präsident der Anion — den Leitfaden für die Abwehrtätigkeit bildete. Auch er errichtete, wie zurzeit der Central-Verein, 'zunächst als dringendstes Erfordernis ein Rechtsschutzbureau, das den Angriffen gegen das Judentum und gegen die einzelnen, oft ganz wehrlosen Juden überall und unermüdlich entgegentreten soll. And auch hier machte man dieselben Erfahrungen wie bei uns: zuerst waren die Behörde;: wie die Herren Verleumder ganz erstaunt darüber, daß die Juden sich Verleumdung ihrer Person und Schmähungen ihrer Religion nicht mehr ruhig wollten gefallen lassen; aber alkmählich wurde eine bessere Rechtsprechung erkämpft und die antisemitischen Zeitungen gezwungen, vorsichtiger in ihren Angriffen zu sein. — Mayer und mit ihm die Anion begnügten sich aber nicht mit der Abwehr, sie erkannten auch, daß ebenso nötig wie diese die „innere Mission" sei, und hier fanden sie ein ungeheures Arbeitsfeld in den unglückseligen Verhältnissen der galizischen Juden. Gerade diese am härtesten beurteilten und verurteilten Juden hatten am schwersten unter den veränderten Verhältnissen zu leiden; es war ihnen immer mehr die Möglichkeit auch nur kümmerlichen Broterwerbs genommen, und das wirtschaftliche und sittliche Elend mußte immer größer werden. Hier bewährte sich der praktisch verständige, im kaufmännischen Leben erfahrene und geschulte Sinn Mayers aufs glänzendste. Anbekümmert um erste Mißerfolge, schuf er den galizischen Juden neue Erwerbszweige, so die Herstellung von Haarnetzen für den Export nach Amerika (sie bilden einen Exportartikel in der Höhe von 7-—8 Millionen Kronen), die Erzeugung von Spitzen und Stickereiwaren und die Kleinkonfektion. Hoffentlich werden dadurch die galizischen Juden aus ihren: Elend herausgerissen und in den Stand gesetzt, in ehrlichem Erwerb sich zu behaupten. — Einen wirklichen „Eentral"- Verein, eine Zusammenschließung aller österreichischen Juden zum Kampfe gegen den gemeinsamen Feind zu schaffen, ist bisher nicht gelungen und wird nach den Gründen, die Vers, richtig erkannt hat, so wenig möglich sein, wie eine wirkliche Verschmelzung der verschiedenen Volksstämme, - die im österreichischen Staate unter einem Kaiser vereinigt sind. Der Verf. unseres Buches darf aber das frohe und stolze Bewußtsein haben, daß er durch seine Tatkraft und durch seinen Glauben an den schließlichen Sieg des Rechten mehr geleistet hat als möglich schien. Wenn auch nicht alle seine Hoffnungen in Erfüllung gegangen sind, so hat er doch in seinem geliebten Wien schon einen Wandel der Zeiten, den Beginn einer Besserung sehen können; für die österreichischen Juden hat er dauernde Erfolge erzielt, und sein'Wirken wird vorbildlich sein für die, die einst nach ihm in die Bresche zu treten berufen sind. Wenn