Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / Kohnstamm, Robert
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 194 (sequence 15)
- Language
- German
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194 Im deutschen Reich. stand der Ortsgruppe Königshütte an die Redaktion des Oberschlesischen Kuriers und wies darauf hin, daß, es unangebracht sei, das Vorgehen eines einzelnen jüdischen Wählers und Wahlredners in so gehässiger antisemitischer Weise zu verallgemeinern. Es gebe unter den Juden wie unter den Christen zahlreiche Sozialdemokraten und nichtsozialdemokratische Parteiführer und Wahlredner, die, ohne selbst Sozialdemokraten zu sein, für die sozialdemokratische Partei Propaganda machten oder sie bekämpften. Daraufhin erwiderte die Redaktion, daß, die Notiz nur auf Grund eines Versehens in die Zeitung hineingekommen sei, da sie antisemitischen Dendenzen in keiner Weise Unterschlupf im Kurier gewähren würde. Auch der Verfasser der Notiz habe versichert, daß ihm derartiges ferngelegen habe. Er habe nur im allgemeinen die Aufmerksamkeit der Katholiken und Protestanten aus diejenigen Elemente — Dissidenten ohne Unterscheidung ihrer Antecedentien -- hinlenken wollen, tue als Abtrünnige oder Apostaten das Hauptwort im Kampf gegen die Pfaffen führen. Danach könne man ermessen, was ihre Worte wert seien. Außer dieser Erk'arung der Redaktwa und des Einsenders hat auch der Verleger sein Bedauern ausgedrückt. — Eine Einladung unseres Vereinsmitgliedes, des Herrn Robert Kohnstamm in Nürnberg, zu einem Vortrage des Herrn Dr. Rudolf Penzig, Vorsitzenden des „Bundes für weltliche Schule und Moralunterricht", hat Herrn Iaver Rotier in Nürnberg, Fleischbrücke 6/8, zu folgender Antwort veranlaßt - „Aus Ihr Schreiben vom 23. d. M. freut es mich sehr, daß der B. f. w. Sch. u. M. auch hier tatkräftig wirken will. Vorausgesetzt, daß die Sache rein deutsch — ohne jegliche Ein- und Mitwirkung von Juden propagiert werden soll, bin ich dabei. - Im anderen Fall weiß ich meine Zeit unfc Kräste für Besseres einzusetzen." Daraus ist Herrn Rotier nachstehender Bescheid erteilt worden: „Sehr geehrter Herr! Auf mein Ergebenes vom 23. d. M. hatten Sie die große Liebenswürdigkeit, mir auf offener Postkarte antisemitische Bemerkungen mitzuteilen. Bei dem Spürsinn, der Ihre Gesinnungsgenossen im allgemeinen auszeichnet, würde es einer Beleidigung Ihrer verehrten Persönlichkeit gleichkommen, wollte ich Ihre Unkenntnis dafür voraussetzen, daß der Adressat Ihrer Karte ein Jude sei. Mit den Bestrebungen des „Bundes" genau vertraut, konnte ich im vornhinein annehmen, daß dieser antisemitische Ansichten nicht teilt, nennt er sich doch auch „Deutscher Bund für weltliche Schule und Moral-Unterricht". Nichtsdestoweniger habe ich der Leitung des „Bundes" Ihre geehrte