Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / Kohnstamm, Robert
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 186 (sequence 7)
- Language
- German
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186 Im deutschen Reich. Ghettozeit — müsse endlich schwinden. Hinaus aus dem freiwilligen Ghetto, in das wir uns seit den Tagen Stöckers zu-' rückgezogen haben, muß die Losung sein, und hinein in die Kreise, in welche wir unserer sozialen Schichtung nach gehören. Wenn der einzelne nicht imstande sei, das erstrebte Ziel zu erreichen, so sei hierfür die Organisation da, in welcher alle Kräfte zusammengeschweißt werden. Redner richtet zum Schluß die dringende Bitte an die Anwesenden, welche-noch nicht Mitglieder des Central-Vereins sind, dieser Organisation beizutreten, die es als eine ihrer wesentlichsten Aufgaben betrachtet, die Juden zur Selbstzucht heranzuziehen, zu Männern mit steifem Racken,, die das Haupt hoch tragen und offenen Auges in die Welt blicken.. Der Central-Verein habe bisher Gewaltiges geleistet, wenn auch nur ein kleiner Teil seiner Tätigkeit in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Er habe keine Orden zu vergeben, aber dem Mitarbeiter winke siegverheißender Kampf! Rach der mit großem Beifall aufgenommenen Rede sprach noch der Vorsitzende des Central - Vereins, Herr Iustizrat Hör Witz. Er geißelte mit scharfen Worten die Gesinnung derjenigen Juden, welche nach außen hin nicht als Juden erkannt sein wollen und dazu beitragen, die Juden insgesamt bei ihrer Umgebung verächtlich zu machen. Deshalb sei die ernste und wichtigste Forderung für uns Juden Selbstzucht und Selbstachtung, die sich aber fernhalten müssevon Selbstüberhebung. Die hochgestellten Juden dürfen sich nicht' schämen, mit den sozial niedriger stehenden Schichten zusammen zu arbeiten. Sie mögen sich an den Katholiken ein Beispiel nehmen, bei denen es keine Standesunterschiede gäbch wenn es gelte, die Glaubensgemeinschaft zu verteidigen. Die Forderung, den Racken zu beugen, aus dem Judentum auszutreten und zu einer anderen Religion überzutreten, könne sich nur an Knechte richten und die Juden würden die Knechtschaft verdienen, wenn sie diese Forderung erfüllten. Dem Central-Verein gehöre unzweifelhaft das Verdienst, die Juden ans dieser knechtischen Gesinnung herausgehoben zu haben. Es sei ein erfreuliches Zeichen, daß sich Männer finden, die bereit sind, offen in den Kampf für das Judentum einzutreten. Aber die gewaltige Arbeit könne nicht von einigen Wenigen geleistet werden, die Mitarbeit' aller sei notwendig, der Erfolg unserer Bestrebungen sei nur möglich, wenn die Gesamtheit des deutschen Judentums hinter dem Central-Verein stehe. Die Juden in Berlin W., die bisher so wenig für ihr Judentum getan haben, haben die dringende Pflicht, sich dem Central-Verein anznschließen und den Kampf, den dieser kämpfe, mitzukämpfen. Mit der Aufforderung an die Frauen, die Bestrebungen des Central-Vereins durch ihren Beitritt zu. unterstützen, ihre Kinder zu mannhaften Juden zu er-