Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / Kohnstamm, Robert
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 185 (sequence 6)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 185 Zehrer keine Stellung als Schuldirektor, als Volksschullehrer Zeinen Anterricht in Geschichtsfächern übertragen bekommen. Alle diese Beschränkungen treffen die Juden in Berlin W. ebenso hart wie die übrigen jüdischen Volksschichten. Der Offizierberuf fei 'freu Juden verschlossen, und wenn auch im allgemeinen die Erschließung desselben nicht das erstrebenswerteste Ziel sei, so liege doch hierin eine Schmälerung der Gleichberechtigung der deutschen Juden, unter welcher der Staat leide. Er erinnert daran, daß erst kürzlich im Reichstag bei den Verhandlungen über das StaatsangehörigkeiLsgesetz die Aeußerung getan wurde, ausländische Juden sollten nicht naturalisiert werden, auch wenn die Gesamtheit einen Vorteil davon habe. Dies sei eine Schmach für die jüdische Gesamtheit. Ebenso die Tatsache, daß deutsche Handlungsreisende jüdischen Glaubens in Rußland nicht von der deutschen Regierung in ihren Rechten geschützt werden. Der Antisemitismus auf wirtschaftlichem Gebiete sei stärker als man denke, und auch die Berliner ZV.-Iuden seien von ihm betroffen, wenn große Arbeitsgebiete den Juden entrissen würden. Ls gäbe zwar jüdische Bankiers und jüdische Direktoren; diese tun aber nichts dafür, daß Juden in ihren Betrieben angestellt werden, im. Gegenteil, sie stehen der Anstellung von Juden sogar feindlich gegenüber, weil sie die Konkurrenz derselben befürchten. Auf politischem - Gebeite sei der Antisemitismus nicht im Rückgang, sondern eher im Wachsen begriffen. Die Konservativen und das Zentrum lassen den Zorn über die erlittene Schlappe an den .Juden aus und suchen die Aufmerksamkeit des Volkes von ihren Sünden abzulenken, indem sie die Schuld an dem Mißerfolg auf die Juden schieben. Dieser politische Haß richtet sich aber nicht gegen einzelne bestimmte Teile der jüdischen Bevölkerung, sondern gegen alle Juden, und vielleicht vornehmlich gegen die Juden in Berlin W. Mit besonderer Schärfe wandte sich Dr. Cohn gegen den gesellschaftlichen Antisemitismus. Es sei dem Antisemitismus gelungen, den Juden in der christlichen Gesellschaft vielfach unmöglich zu machen. Redner richtet einen warmen Appell an die Frauen, ihre Kinder zu guten Deutschen und guten Juden zu erziehen. In ihrer Macht liege es, der jüdischen Jugend Selbstbewußtsein einzupflanzen und sie mit Abscheu vor der Taufe zu erfüllen, die gerade in Berlin W. blühe. Er fordert aus Gründen der Moral beim Judentum zu verharren, aber auch die Konsequenz hieraus zu ziehen, in persönlicher und sachlicher Beziehung. Wir müssen das Judentum kennen lernen, uns bemühen, seine Schriften zu studieren, und Respekt vor unseren Lehrern und Geistlichen gewinnen. Wir müssen aber vor allem Selbstzucht üben. Die übermäßige Achtung des Reichtums — ein Ileberbleibsel aus der