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Im deutschen Reich · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. 187

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
[Ohne Titel] / Kohnstamm, Robert
Date
1912-04-01
Page
187 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Vereinsirachrichten. 187 ziehen, welche die Taufe verschmähen, die Rechte, die ihnen das Gesetz gewährt hat, im Interesse des Judentums zu gebrauchen^ schloß Iustizrat I)r. Horwitz seine wirkungsvollen Ausführungen. Der Erfolg des Abends war außerordentlich günstig, indem eine stattliche Anzahl der Anwesenden dem Vereine beitrat. Dies berechtigt zur Hoffnung, daß die zu neuem Leben erwachte Ortsgruppe W, dazu berufen ist, die bisher dem Judentum fernstehenden Kreise in Berlin "W. dem Judentum zurückzugewinnen.. 8. — - Am 16. März fand eine Versammlung der Berliner O r t s g r u p p e 0. in den Marinehaus-Festsälen statt. Aach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Herrn Br. Ed. Werner^ behandelte das Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses,. Herr Leopold Rosenow das Thema: „Nach den Wahlen^ in etwa einundeinhalöstündiger Rede. Er betonte, daß er der jüdischen Sache, der er in Treue angehöre, in seiner parlamentarischen Tätigkeit am besten zu nützen geglaubt habe, wenn er sich stets als deutscher Mann und als Jude wie ein bewußter deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens verhalten habe. Daran schloß sich eine Erörterung der Fiuanzreform, der Entstehung des schwarzblauen Blocks, der Vorgänge bei und nach den Reichstagswahlen sowie deren Rückwirkung auf die mißlichen Folgen der Machtstellung der Junker, die nicht nur eine gleichmäßige Verteilung der Lasten verhindern, sondern auch für sich die meisten maßgebenden Stellungen im Staate beanspruchen, zu denen sie keineswegs durchschnittlich so befähigt sind wie" das deutsche Bürgertum,, das sie verhindern,, durch seine Intelligenz dem Staate den größten Nutzen zu bringen. Die deutschen Juden hätten besonderen Grund, für eine gerechte Verteilung von Rechten und Pflichten mannhaft einzutreten. Der Vortragende erntete lebhaften Beifall, und der Vorsitzende drückte ihm für feine Ausführungen den Dank den Versammlung aus. Nach Eröffnung der Debatte erörterte Herr Lewinsri die Frage: Wie stellt sich die politische Lage nach den Wahlen für uns Juden dar? Dies veranlaßte das Mitglied des Zentralvorstandes, Herrn Sanitätsrat Dt. W iesent h a l, zur Darlegung der leitenden Grundsätze des Vereins, der sich von jeder Fraktionspolitik fernhält und es jedem Mitglied freistellt, nach seiner Aeberzeugung seine politische Gesinnung zu bekunden. Nur wo ein Antisemit kandidiert, müssen gemeinsam alle Inder, zu seiner Bekämpfung zusammenstehen. Der Central- Verein sei also in diesem Sinne kein politischer Verein. An der weiteren Debatte beteiligten sich die Herren Rabbiner Dt. Wohlberg und Stadtverordneter Salinger; das Schlußwort des Referenten Abo. Rosenow wurde wiederum mit lebhaftem Beifall ausgenommen. A. L.

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