Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / Kohnstamm, Robert
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 184 (sequence 5)
- Language
- German
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184 Im deutschen Reich. Lizentiat Mumm werde von niemandem ernst genommen, und wenn Bruhn und Werner wiedergekommen sind, so könnten sich die Juden dazu nurgratulieren; bedauerlich sei nur, daß ersterer mit Hilfe der Sozialdemokraten und letzterer mit Hilfe der Rationalliberalen gewählt sei. Zum Schluß äußert sich Kopsch über die Möglichkeit einer positiven Arbeit des. neuen Reichstages und erklärt, daß gerade dieser Reichstag der Regierung günstiger sei als der vorhergehende. Sowohl für handelspolitische Fragen, wie für eine Wehrvorlage und ausgedehnte Sozialpolitik sei eine genügende Mehrheit vorhanden. Es würden von keiner Partei der Wehrvorlage ernstliche Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, wenn die Regierung gleichzeitig für die Deckung derselbe?n durch Einbringen der seinerzeit abgelehnten Erbanfallsteuer sorgte. Es gelte, die alten Gesetze sozialpolitischer Ratur auf breiterer Grundlage zu bauen und die Fürsorge für Handwerk - und kleinere Geschäftsleute nicht hintan zu setzen. Zum Schluß' geht der Redner auf eine Aeußerung ein, die Herr von Heydebrand in Breslau vor den Vertrauensmännern der konservativen Partei getan hat, wonach das gegenwärtige Deutschland nur noch eine Stufe vor der Revolution stehe, und beleuchtet die großen Unterschiede, welche zwischen dem Frankreich vor 1789 und dem jetzigen Deutschland bestehen. Er bdtont, daß es vergeblich sein werde, Fürst und Bürgertum durch den Hinweis auf die-soziale Gefahr einzuschüchtern. Uns Lun not demokratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung, dies zu erreichen, müsse unser Bestreben für die Zukunft sein. Der zweite Redner, Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Dr. C o h n - Dessau, sprach über das Thema: „Berlin s, und der Central - Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens/' Er teilte de Berliiner W.-Juden in drei Kategorien ein, in Aestheten, Individualisten und Aristokraten und wies darauf hin, daß jede einzelne dieser Kategorien sich scheue, mit dem jüdischen Volke zusammenzukommen und positiv an den Bestrebungen unseres Vereins mitzuarb eiten, und doch sei auch für die Berliner W. - Juden der Kampf, welchen der Eentral-Verein um die.Erlangung der vollen Gleichberechtigung und die Abwehr des Antisemitismus führe, eine Lebensfrage.; denn die Zurücksetzung der Juden auf politischem, wirtschaftlichem, gesellschaftlichem Gebiete mache vor den Juden in Berlin W. nicht halt. Redner geht nun auf alle diese Fragen ausführlich ein. Er erinnert daran, daß die Juden keines Aussicht haben, in der Justizverwaltung vorwärts zu kommen, da man sie zu den sogenannten Drrigentenstellen nur zulasse, wenn sie getauft seien, daß sie an der Universität kein Ordinariat erlangen, als Ober-