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Im deutschen Reich · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. 182

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
[Ohne Titel] / Kohnstamm, Robert
Date
1912-04-01
Page
182 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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182 Im deutschen Reich. daß aber immer mehr ein Abströmen zur Industrie und zu den freien Berufen ftattfxnbet, eine Tendenz, die in direktem Widerspruch mit dem sogenannten Handelsgeist der Juden steht. Es sinder nach ihm in immer stärkerem Maße eine Annäherung der Wirtschaftsverfassung der Juden an jene der Gesamtbevölkerung statt, deren Bestreben auf eine Abkehr von der Landwirtschaft und den Aebergang zum Handel und der Industrie gerichtet sei. Wie in der Berufsgliederung, so zeige sich auch in der sozialen Schichtung der Juden eine Assimilierung mit der Gesamtbevölkerung, indem auch bei den Juden die Zahl der Selbständigen aönehme, die der Angestellten wachse und dadurch sich ein mittlerer Privatbeamtenstand entwickele, vor allem aber das weibliche Geschlecht stärker als früher in den Wirtschaftskamps eintrete. Im Zusammenhang mit der Darstellung der Vertretung der Juden in den einzelnen Berufsabteilungen Landwirtschaft, Handel, Industrie, Oeffentlrchen Dienst und freie Berufe erörtert der Referent die Möglichkeit einer Verufsumschichtung und kommt zu dem Resultate, daß die Juden sich in weit stärkerem Maße als bisher dem mittleren und niederen Staats¬ und Kommunaldienst zuwenden - müssen, daß ferner von seiten der dazu berufenen Organisationen dafür gesorgt werden müsse, daß das niedere und mittlere Schulamt dem Juden mehr als bisher erschlossen werde. Die Aussichten, die Juden der Landwirtschaft zuzuführen, hält er aus einer Reihe von Gründen sür ungünstig. Zum Schlüsse erörtert der Redner ausführlich die Stellung der jüdischen. Frau im Erwerbsleben und beton-, daß das ungewöhnlich starke Anwachsen der weiblichen jüdischen Arbeitskräfte nicht so sehr auf die ungünstiger gewordene soziale. Lage der deutschen Juden, als vielmehr aus die gesteigerten Lebensansprüche an die Geldausstattung der Frau von seiten des Mannes bei Eingehung der Ehe zurückzuführen sei. An den. mit lebhaftem Beifall anfgenommenen Vortrag knüpfte sich eine rege Diskussion, in welcher namentlich Professor Blaschke die Ausführungen des Redners über die Lage der jüdischen Volksschullehrer in sachkundiger Weise ergänzte. Für die wertere wirkungsvolle Ausgestaltung der Propagandatätigkeit wurde von den Anwesenden eine Reihe praktischer Vorschläge gemacht, die von der Leitung der Ortsgruppe mit großem Danke entgegengenommen wurden und in die Praxis umgeseßt werden sollen. R. — Am 4. März veranstaltete die Ortsgruppe Berlin YV\ seit längerer Zeit zum erstenmal wieder eine große Propagandaversammlung unter der Leitung des Herrn Professor Rosin im großen Saal des Vrüdervererns, Kurfürstenftr. 114, die sich einer außerordentlich starken Beteiligung erfreute. Rachdem Prof. Rosin die Anwesenden begrüßt und die Hoffnung

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