Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 175 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 175 mieten haben würden. Der „religiöse Ernst" des H. Th. pritsch ist von uns in unserem Flugblatt gekennzeichnet. Dasselbe laßt sich von der konservativen Presse sagen» die mehr und mehr ihren streng aristokratischen und monarchischen Charakter abzustreifen scheint. So hat die „Kreuzzeitung" am 14. Februar ein spaltenlanges „Eingesandt" eines Herrn Pfeiffer-Ouitzöbel veröffentlicht, der in folgenden Worten eine noch schärfere Tonart empfiehlt: „Harte Worte wird man brauchen müssen gegen den Sybaritismus und die Liederlichkeit, antisemitisch sein nicht sowohl gegen die Person der Juden, als gegen die Verjudung bei uns, alles Gouvernementale abstreifen und in aller Ehrfurcht, aber auch in aller Entschiedenheit die Fehler der Regierung rügen müssen. Die Wahlen zeigen eine starke Zunahme der Sozialdemokratie. Der Abgeordnete v. Hennings hat mit Recht gesagt, die Gesetze müssen von der Regierung gebraucht werden." Der konservative „Reichsbote" hat schon während der Reichstagswahlen sich, mit der „Deutschen Tageszeitung" auf eine Stufe gestellt und sich eifrig bemüht, für den Antisemitismus Stimmung zu machen. Schon damals zitierte das fromme Blatt das Wort Stahls: „Wir fürchten nicht den Umsturz, sondern die Zersetzung" und über den angeblichen zersetzenden jüdischen Einfluß wird geflennt. Wie der „Reichsbote" von dem Wahn des zersetzenden jüdischen Einflusses befangen ist, davon gibt er fast täglich Proben. So hat er diesen Einfluß selbst bei der nationalliberalen Partei ermittelt und die schauderhafte Tatsache kundgegeben, daß in einem Umschlag, der mit der Firma des Alldeutschen Verbandes bedruckt war, zusammen mit der Ankündigung eines Vortrages des Regierungsrats v. Strantz im „Alldeutschen Verband" eine Einladung zu einer Versammlung des nationalliberalen Ortsvereins Charlottenburg versandt worden ist, der u. a. von einigen Herren jüdischer Abstammung unterzeichnet war. In dem „Reichsboten" und der „Deutschen Tageszeitung" werden nach solchen und ähnlichen Vorgängen auch die Rationalliberalen als „verjudet" bezeichnet und geringer abgeschätzt als die wackern Deutsch-Sozialen. Daß der Leiter des Bundes der Landwirte sich damit den Deutsch-Sozialen gleichgestellt hat, die in ihrer am 19. Februar im Thüringer Hof in Leipzig abgehaltenen Jahresversammlung dem wegen R e l i g i o n s b e s ch i m p s u n g zu einer Gefängnisstrafe verurteilten Antisemiten Fritsch ihr Vertrauen und die Hoffnung auf seine unverminderte Kampfesfreude bekundet haben, verdient