Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-04-01
- Page
- 173 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 17?, werden. Der „Bund der Landwirte" weiß, daß jede Berechtigung fehlt, nach den letzten Reichstagswahlen die deutschen Juden irgendeiner politischen Fraktion an die Rockschöße zu hängen, denn die Juden haben sich überall, wo nicht ein entschiedener Antisemit kandidierte, ohne irgendwelchen Zwang der Partei angeschlossen, die ihrer freien politischen Aeberzeugung entsprach. Die Agrarier bemühen sich, die Fiktion aufrecht zu erhalten, die Juden seien an die Spitze der großkapitalistischen und der sozialdemokratischen Bewegung getreten und müßten bekämpft werden, damit der Bund der Landwirte den „lückenlosen Zolltarif" durchsetzen könne, der doch nicht nur den Bürgern jüdischen (Klaubens, sondern fast der gesamten bürgerlichen Bevölkerung unerwünscht ist. In einer ganzen Reihe von Provinzialversammlungen des Bundes der Landwirte sind in den letzten Wochen die „agrarischen Ideale" von den Leitern des Bundes, dem Freiherrn v. Wangenheim, Br. Diederich Hahn und Rösicke rednerisch vertreten worden. In der Düsseldorfer Versammlung sagte Freiherr v. Wangen heim am 5. März u. a.: „Ich bin durchaus kein Antisemit im lanid läufigen Sinne, wie ich schon in der Generalversammlung des Bundes der Landwirte in Berlin erklärt habe, und ich verkenne keineswegs, daß unter den Juden viele tüchtige Männer, viele begabte Köpfe zu finden sind. Wir stehen zweifellos voreinem neuen vertieften, aber auch veredelten Antisemitismus, der aus diesem Grunde nicht so leicht zu überwinden sein wird, wie der ehemalige Radau-Antisemitismus. Ich kann Ihnen nur dringend empfehlen, lesen Sie Sachen mit so nationalem und religiösem Ernste, wie sie Herr Theodor Fritsch in Leipzig schreibt, und Sie werden ein ganz anderes Bild von dem zersetzenden Wirken des Judentums erhalten. Evangelische und Katholiken werden gegeneinander verhetzt, und wir haben den Eindruck, daß das geschieht, um den Blick beider von der'Gefahr abzulenken, die das internationale Judentum für alle bringt." In einer in Lissa i. Posen abgehaltenen Bundesversammlung hatte bereits am 2. März Br. Rösicke erklärt, bei den Wahlen hätten sich nicht nur zwei entgegengesetzte Weltanschauungen bekämpft, sondern es seien auch die Rasseangehörigketten deutlicher bemerkbar geworden. Auf der Seite des Hansabundes ständen mehr die jüdischen Elemente, aufder des Bundes der Landwirte die germanischen. Auf der andern Seite das Nomadenhafte, auf unserer Seite die Seßhaften. Diese Rassezugehörigkeit und Verwandtschaft der Weltanschauung zeige sich auch darin, daß die Liberalen mit den Roten zusammengingen. Die Sozialdemokratie werde zum großen Teilewon jüdischem Geiste geführt, die Liberalen würden