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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 150

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
[Ohne Titel]
Date
1912-03-01
Page
150 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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150 Im t>eutjct>?u Reich. Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (Vereinigung badischer Israeliten) hielt am 12. Februar in Karlsruhe eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Nachdem der 1. Vorsitzende, Herr S t a d t r a b b i n e r Dr. M. ApPeldie Anwesenden begrüßt hatte, nahm Herr Dr. med. Lewy - Freibürg das Wort zu einer Ansprache, von der wir folgende Sätze wörtlich wiedergeben: „In einigen Wochen rüstet man sich, die Hundertjahrfeier der Emanzipation der Juden zu begehen. Unsere staatsbürgerliche Gleichberechtigung ist aber in vielen Fällen noch immer nur ein Recht aus dem Papier. Durch die Verschließung vieler Laufbahnen und durch die gegen ihn ausgespielte Gehässigkeit wird der Jude auch heute noch bei allen Gelegenheiten zum Prügelknaben ausersehen. Lange Zeit hindurch haben die Juden diese Behandlungsweise mit stiller Resignation ertragen. Es darf Baden als ein besonderer Ruhm zuerkannt werden, daß in Karlsruhe etwa zur gleichen Zeit als in Berlin 'eine Organisation zur Abwehr des Antisemitismus ins Leben gerufen wurde. Die Frage des Antisemitismus ist nicht die Frage einer Provinz oder eines Landes, sondern sine Kulturfrage im weitesten Sinne. Solange noch ein Mitbürger ln dem Worte „Jude" eine Minderwertigkeit erblickt, müssen wir unsere protestierende Stimme laut werden lassen. Wie es der von Ihrer vorurteislosen Vaterstadt soeben als Vertreter deutscher Volksinteressen in den Reichstag entsandte treffliche Mann, Dr. Ludwig Haas, öfters betont hat, dürfen wir den Anspruch auf Gleichberechtigung nicht nur der historischen Vergangenheit wegen erheben, sondern in erster Linie wegen unserer gegenwärtigen kulturellen und sozialen Tätigkeit im Dienste des Vaterlandes. Jeder soll unwürdigen Indifferentismus ausgeben und zu der bleberzeugung gelangen, daß die Abwehr des Antisemitismus eine sittliche Pflicht, ein Selbstgebot, aber auch eine kulturelle Tat im Dienste des Vaterlandes ist." Sodann nahm Herr Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d - E s s e n das Wort zu einem Vortrag, in dem er die „Aufgaben und Ziele des Central-Vereins" klarlegte. Er gab einen historischen Umriß über den Antisemitismus in Deutschland und seine Bekämpfung, die mehr und mehr zu einem Zusammenschluß zwecks gemeinschaftlicher Interessenvertretung führte. Redner ging dann auf die Tätigkeit des Central-Vereins näher ein und erörterte dabei das Verhältnis zw scheu Anüsem't smus und P.eche. Der Central-Verein habe es sich zur Aufgabe gemacht, die verleumderische antisemitische Presse zu beaufsichtigen und in geeigneten Fällen die strafrechtliche Verfolgung einzuleiten, um so der oftmals allzu verderblichen Legendenbildung einen Damm entgegenzusetzen. So konnte man ein gewisses Maß von äußerem

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