Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 143 (sequence 9)
- Language
- German
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Am schau. 143 rissenen Hosen in die Partei gekommen sind und sich heute mit Sinekuren mästen", nicht nur die niederösterreichischen Landbcten sondern alle Oesterreicher darüber aufklären, ob die oft genug wiederholte Behauptung „die christlich-soziale Verwaltung ist die beste in Europa" irgendwelche Begründung hat. Trotz der Aufdeckung einer nahezu unglaublichen Mißwirtschaft wütender Antisemiten in vielen Verwaltungskreisen Kutzkanös ist zunächst weder eine Austilgung oder Korruption noch eine Milderung der Bedrückungen zu erwarten, unter denen die Juden im Zarenreiche ein trauriges Dasein führen. So lange der Antisemitismus dort als Freibrief für jede Gesetzlosigkeit gilt, ist an eine Besserung der Verhältnisse auch für die christliche Bevölkerung nicht zu denken und wird eine Mißwirtschaft fortdauern und sich voraussichtlich noch steigern, gegen die die von Hraba als „ErgatterungswuL" bezeichnete Sinekuren-Iagd der österreichischen Antisemiten fast nur ein Kinderspiel ist. Die Aufmerksamkeit der blöden Masse der russischen Bevölkerung wird von den Beteiligten durch Nitualmordmärchen abgelenkt, und sie läßt sich ruhig weiter ausplündern, wenn man ihr die Möglichkeit eröffnet, sich bei den Juden schadlos zu halten. Vor Jahresfrist wurde der Knabe Iustschinsky in Kiew ermordet' aufgefunden. Da man den Mörder nicht ausfindig urachen konnte, so wurde von den reaktionären Gesellschaften in Kiew daran gearbeitet, den Mord als einen Aitualmord hinzustellen und gegen die Juden auszubeuten. Es wurde ein Jude in Haft genommen, dem der Prozeß gemacht werden soll. Nunmehr hat ein bekannter Journalist, Stephan Bruschkowskl in Kiew, sensationelle Enthüllungen gemacht, zu denen er auf Grund eines umfangreichen Materials gekommen ist. Hiernach ist der Mord das Werk einer berüchtigten Verbreche r b a n d e, die unter Leitung des in Kiew ansässigen französischen Staatsangehörigen Mifle und der Verwandten des ermordeten Iustschinsky steht. Für Mifle und Genossen war die Beseitigung Iustschinskys notwendig, weil dieser Kenntnis von ihrem verbrecherischen Treiben hatte und sie Verrat von seiner Seite fürchten mußten. Zwei Zeugen, die mit der Verbrecherbande in Beziehung standen, die ehemalige Geliebte Mifles, Tschebyrjakowa und der Tischler Petrow bekunden außerordentlich schwerwiegende Tatsachen, die zur Feststellung der wirklichen Mörder führen müssen. Die Staatsanwaltschaft hat sich aber bisher geweigert, diese Zeugen zu vernehmen. Darüber herrscht in Kiew auch bei Christen große Aufregung, da man mehr und mehr zu der Aeberzeugung