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Im deutschen Reich · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. 144

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
18 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1912-03-01
Page
144 (sequence 10)
Language
German
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144 Fm deutschen Reich. gelangt, daß man die Wahrheit in der Angelegenheit Just-- schinsky unterdrücken und die Juden als Schuldige hinstellen will, um einen Vorwand zu haben, gegen die Inden zu Hetzen und Pogrome hervorzurufen. Der Antisemitismus ist überall, die Vorstufe zur Gesetzlosigkeit. A. L. Korrespondenzen. A Berlin, 22. Februar. Die fortgesetzte unerhörte Z u rücksetzung jüdischer Lehrkräfte an preußischen Mädchenschulen ist in 'der letzten Zeit der Erinnerung an Friedrich den Großen und seine vielfach erwähnte An-, ordnung „Die Religionen zu tolerieren", von vielen besonders schmerzlich empfunden worden. Auch schon früher haben frei-- sinnige Christen sich über diesen traurigen Zustand mißbilligend ausgesprochen. So findet sich, angesichts der Fern Haltung jüdischer Lehrerinnen von p r e u ßi s ch e n M ä d - chenschulen, in Baumgartens „Kirchlicher Chronik" Seite 279 nachstehende Aeußerung: „Was hat das Erlernen, der Sprachen mit der Religion zu tun? Was der Anterricht in den Naturwissenschaften, in der Geschichte^ Literatur, Geographie und Rechnen? And wenn man der Ansicht ist, all das habe mit der Religion etwas zu tun, es schade der Volksseele, wenn die Kinder von jüdischen Lehrkräften unterrichtet werden, warum yat man dann nicht den Mut seiner Aeberzeugung und verbietet von vornherein Jüdinnen den Eintritt in ein anderes Seminar als in ein jüdisches? Weil man weiß, daß Preußen sich vor der ganzen Kulturwelt schämen müßte, — dasselbe Preußen, dessen König Friedrich, der von der preußischen Geschichtsschreibung und in den preußischen. Schulen der Große genannt wird, versichert hat, in seinen. Staaten könne jeder nach seiner Fasson selig werden." — Am dem bedauerlichen Aebelstand abzuhelfen, daß unsere- Glaubensgenossen die kleinen Städte in großer Anzahl verlassen und den großen Städten Zuströmen, und daß in den. letzteren besonders durch Zudrang der Akademiker sich allmählich ein Notstand herausgebildet hat, versendet „D a s A r b e i t s a m t: fürjüdische Akademiker" an sämtliche jüdische Gemeindender Ostseeprovinzen Fragebogen, um statistisches Material, zu erhalten, und einer stärkeren Ansiedelung jüdischer Aka-' demiker in den Provinzen des Ostens die Wege zu bahnen. Tatsächlich bleiben viele Akademiker, deren Ausbildung mit großen Kosten verbunden war, in den Großstädten ohne lohnende.

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