Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 141 (sequence 7)
- Language
- German
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Amschau. 141 wein mit den Worten: „Am jedes Mißverständnis auszuschließen, betonen wir nachdrücklichste daß wir an der staatlichen Gleichberechtigung der Bürger ohne Unterschied der Konfessionen festhalten, und daß uns jeder Gedanke an ein Ausnahmegesetz gegen die Juden ferne liegt. Die Gleichberechtigung vertreten wir, aber wir wehren uns gegen die Vorherrschaft der Juden, die immer deutlicher in die Erscheinung tritt." Damit können die Juden gewiß zufrieden sein 7 ihnen genügt eine ehrlich durchgeführte Gleichberechtigung durchaus, und sie verstehen es vollständig, daß sich ein Staat mit einer hervorragend protestantischen Bevölkerung gegen die Vorherrschaft einer Minderheitspartei, also auch gegen die deK Zentrums auflehnt. Die Katholiken haben gar keinen Grund, der gegen viele unbegründete Angriffe nahezu wehrlosen jüdischen Minderheit HerrschasLsgelüste zuzutrauen — oder anzudichten. Wenn von maßlosen Ansprüchen oder gar von Herrschaftsgelüsten der Juden gesprochen oder geschrieben wird, klingt es deshalb wie Hohn; wirverlangenkeine Vorrechte und verschmähen bloße Duldung, aber wir erwarten, daß Recht Recht bleibt, und daß, wenn der Staat uns Pflichten auferlegt, die wir getreu erfüllen, er auch dafür Sorge trägt, daß ein Bürger nicht wegen seines Glaubensbekenntnisses im Wege der Verwaltung von Berufszweigen und Ehrenstellen ausgeschlossen bleibt, deren er würdig ist und in denen er seine Fähigkeiten voll zur Geltung bringen kann. Trotz der verbrieften Gleichberechtigung werden aber die deutschen Juden noch immer von staatlicher Seite in einer Weise zurückgesetzt, daß die ihnen feindlich gesinnten Parteien dadurch ermutigt werden, sie bei jeder Gelegenheit für alle entstehenden Widerwärtigkeiten ohne allen Grund haftbar zu machen, als hätten sie es noch mit den Prügelknaben des Mittelalters zu tun. Die Juden mögen in den Ostnrarken noch so wacker als deutsche Staatsbürger ihren Bürgerpflichten genügen, ihre Vorliebe für deutsche Sprache und Sitte rückhaltslos bekunden aus die Gefahr hin, dadurch den Haß der Polen sich zuzuziehen; sie werden demungeachtet nicht einfach den Deutschen zugezählt, sondern höchstens bei Wahlen als Hilfstruppen der Deutschen herangezogen. Die Folge ist, daß z. B. selbst der Berichterstatter der sonst nicht antisemitischen „Kölnischen Zeitung" bei einem Bericht über den politischen Wa h lkrawall in Sch w etz dort drei verschiedene Rationalitäten gefunden zu haben glaubt und sich dabei äußert: „Der Bevölkerungsanteil der Polen übertrifft in der westpreußischen.