Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 140 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316817-2316820--22442-2345880- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
140 Im deutschen Reich. nend vorausgesagt: „Es kann ja gar nicht ausbleiben, daß es jetzt und später noch viel mehr, heißen wird: Der verdiente Parlamentarier) weitblickende Staatsmann und warmherzige Patriot Professor Dr. Paasch e, der so mannhaft für die jüdische Infizierung des deutschen Offizierkorps eintritt, spricht nicht nur für sich, nicht nur für die nationalliberale Partei, sondern er hat auch den ganzen Wehrverein hinter sich mit Hunderten hoher und höchster Armeeoffiziere. Sie alle vertritt er, und folglich ist auch das Schreien nach Gerechtigkeit für die jüdischen Mitbürger eben aus den Reihen dieser alten und verdienten Soldaten hervorgegangen!" — Hoffentlich ergeht es dem antisemitischen Warner so wie dem heidnischen Propheten Bileam und erfüllt sich seine gewiß nicht wohlmeinende Weissagung mindestens zum Teil. Aber bei dieser A.ebertreibung der angeblich von den Juden errungenen Vorteile merkt man die Absicht der antisemitischen Konservativen, gegen die Juden die schlimmsten Instinkte der Massen, Argwohn, Reid und Habsucht wachzurusen; denn wenn auch die liberale Sache wieder im Aufschwung begriffen ist, läßt sich davon in absehbarer Zeit eine Erfüllung der berechtigten Wünsche der deutschen Juden noch nicht erwarten. Gut Ding will Weile haben. Zu einem Siegesrausch, der sich nach der „Kreuz-Zeitung" der Juden bemächtigt haben soll, ist kein ^1(16 geboten. Daß sie nicht daran denken, den Staat entchristlichen zu wollen, weiß jeder, der die radikal-antisemitischen Blätter liest, die mit ihrem Wotans- und Baldurkultus diese Entchristlichung systematisch betreiben, ohne dabei von ihren frommen konservativen Gönnern gestört zu werden. Wenn auch das Zentrum bei den Reichstagswahlen und bei den bayrischen Landtagswahlen immer noch seine Machtstellung behauptet hat, können sich die Führer dieser Partei doch nicht verhehlen, daß der Turm etwas abgebröckelt erscheint und daß, für ihre Sache die Oppositionsstellung insofern günstiger war als die im schwarzblauen Block, weil dabei sich die Stellung der Partei im Volke mehr und mehr befestigte. Jetzt liegt selbst den konservativen Bundesgenossen angesichts der besseren Stellung des Zentrums die von der „Märkischen Volkszeitung" aufgeworfene Frage nahe: „Herrschen die Fremdlinge?" Für die streng protestantischen Konservativen ist doch wohl das -Bündnis mit dem Zentrum nur eine Folge der Interessenpolitik. Den alldeutschen Politikern mindestens gilt es als ein unbequemes Hindernis, die Ostmarken vollständig zu germanisieren. Etwas Aehnliches scheint auch der streng katholischen „Märkischen Volkszeitung" vorzuschweben, denn sie gießt schon Wasser in ihren antisemitischen Glüh-