Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 137 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 137 -folgenden Ausdruck: „Wer die politische Lage in' Deutschland richtig verstehen will, muß sich klar machen, wie alle Klassen und Stände im politischen Leben für ihre Existenz und Menschen 'für die Ausdehnung ihrer Macht tätig sind. Da sehen wir Denn seit langen Jahren, wie das Großkapital, im besonderen das mobile Kapital in Deutschland danach ringt, die Herrschaft an sich zu reißen. Nicht das Judentum allein, sondern viele Christen mit den Juden; aber die Juden sind der innerjte und am sestesten organisierte konzentrische Kreis, um den die anderen sich gruppieren." Daß der Rittergutsbesitzer v. O l d en bu r g -Z anu s ch a u die verblümte Aufreizung gegen die Juden noch verdeutlichen würde, war im voraus anzunehmen. In seiner derben Art sagte er: „Ich will nichts gegen den jüdischen Glauben sagen, aber ein altes Sprichwort sagt, wer von Juden ißt, der stirbt daran. Wir können aber wohl hinzufügen: „Aber wer von Sozialdemokraten ißt, der stirbt erst recht daran." Der Liberalismus hat von beiden gegessen, darum wird er daran sterben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Wahlkamps, den wir erlebt haben, der Kampf des internationalen Judentums gegen den christlich-monarchischen Staat war." In -dem Schlußworte gedachte der Vorsitzende Dr. Rösike des Abgeordneten Lieb er mann v. Sonnenderg, „der oft auch in den Versammlungen des Bundes der Landwirte seinen idealen Anschauungen Ausdruck gegeben." Von den antisemitischen Anschauungen Liebermanns zehren die konservativen Agrarier tatsächlich weiter, ohne die -Schädlichkeit dieser Speise zu erkennen. Die reaktionäre Presse wird beständig mit antisemitischer Würze versehen; was sie von der Herrschsucht des „unter jüdischer Führung stehenden Großkapitals" schreibt, ist einfach ebenso erdichte! wie die Behauptung, daß sich die Hochfinanz unter dem Druck des jüdischen Einflusses in die äußere Politik des Reiches eingemischt hätte. Genau so verhält es sich mit der Behauptung, daß die politische Tagespresse, die beharrlich zur „Niederringung des schwarz-blauen Blocks" auf gefordert hat, eine „jüdische" sei, und daß das deutsche Bürgertum, das sich sin dem Hansabund politisch betätigt, das Gepräge des jüdischen Geistes trage. Derartige Verdächtigungen können doch jedem vernünftig Denkenden nur als VerlegenheitsmiLtel erscheinen, die Ratlosigkeit der Besiegten zu bemänteln. Die Großfinanz wie der Lansa-Bund vertreten nicht jüdische, sondern allgemeine Interessen. Von dieser Seite erwartet die Gesamtheit der Juden die Erfüllung berechtigter Wünsche nicht, sondern von dem Billigkeitsgefühl der Anhänger