Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 18 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1912-03-01
- Page
- 136 (sequence 2)
- Language
- German
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136 Im deutschen Reich. Volksabstimmung verantwortlich macht, das doch nur als die notwendige Folge des Gebahrens der bisherigen Reichstagsmehrheit anzusehen ist. Daß der konservativen Partei diese Selbsterkenntnis vollständig mangelt, wird ihre Lage nicht verbessern und kann die Regierung gewiß nicht veranlassen, zugunsten der Reaktionäre Wege Zuschlägen, die sie immer tiefer in eine Sackgasse führen würden. In den politischen Kreisen, deren monarchische Gesinnung nicht angezweifelt werden kann, täuscht man sich nicht über die konservative Verblendung, die meint, durch ein Einfachen der antisemitischen Bewegung wieder empor kommen zu können. Bald nach der Eröffnung des Preußischen Landtages, der doch gewiß kein günstiger Boden für liberale Anschauungen ist, wurden die Reichstagsfragen in einer Weise behandelt, die eigentlich bei den Konservativen die Aeberzeugung hätte bestärken müssen, daß ihre Stellung zur Iudenfrage auch für ihre Parteisache ungünstig ist. Dieser Erkenntnis haben sie sich jedoch verschlossen. Die Art, in der - sich die Hauptredner in der am 19. Februar abgehaltenen 19. GeneralMersanrinlung des Bundes dev Landwirte geäußert haben, ließ keinen Zweifel daran zu, daß die konservativen Agrarier die bestimmte Absicht haben, ihre wohlverdienten Mißerfolge bei der Reichstagswahl auf den von ihnen künstlich übertriebenen Einfluß des jüdischen Elements zurückzuführen, sowie die doch in den verschiedensten politischen Lagern befindlichen Juden als eine fest zusammengeschlossene Partei und als Gönner der Sozialdemokratie hinzustellen. So sagte Freiherr v. Wan gen heim u. a.: „Ich bin nicht im landläufigen Sinne des Wortes ein Antisemit. Ich erkenne gern und dankbar an, daß auch das Judentum uns tüchtige und fähige Menschen geliefert hat im deutschen Vaterlande; aber in diesem Kampf hat sich ein Hervor drängen des -jüdischen Eindringens in die Presse, des jüdischen Geldes bei der Wahl, des jüdischen Geistes in der zersetzenden und verhetzenden Arbeit in einer Weise geltend gemacht, daß ich glaube, wir werden ein Wiederaufleben eines idealeren, aber um so stärkeren Antisemitismus sehen, wie ihn Theodor Fritsch in seinen Schriften und in seinen Worten predigt. And ich hoffe, daß, die Zeit nicht mehr fern ist, wo das richtige, aber ernste Wort Friedrich Wilhelms IV. nicht mehr Geltung haben wird: „Katholiken und Protestanten schneiden sich die Hälse ab, und Juden machen Musik dazu!" Demselben Wunsch nach 'einem „Wiederaufleben des Antisemitismus" gab der Direktor des Bundes'der Landwirte, Dr. Diederich Hahn,